Der Mitteficker > Auf die Zwölf + Gotta get rid of that pill taste!

Tom summt und blinzelt und versucht, wenigstens eine Scheibe breit klar zu sehen. Soweit er das hinkriegt, schaut eine Frau ihn erwartungsvoll an, aber die Sache mit Eindeutigkeit kann er sowas von vergessen und vielleicht liegt die da ja nur zufällig rum mit nichts an.

„Hörst du mir überhaupt zu?“ Damit könnte Tom gemeint sein. Schwer zu sagen.

Die Scheibe mit der klaren Optik ist ziemlich winzig und vielleicht treiben sich nebenan in den großen trüben Segmenten noch andere Hörste rum.

„Ey du! Du bist doch so ein richtiger Mitteficker. Dann fick mich jetzt auch! Was soll ich sonst meinen Freundinnen sagen?“

OK. Zu dem Mund, der das gesagt hat, gehören Augen, die Tom jetzt aber doch eindeutig anstarren, besser was reagieren: „Ja, nä?“ Toms Schwanz baumelt völlig entspannt in der Brise, seine Bällchen schlackern verspielt und „Wie – jetzt?“ scheint ihr als Antwort auch nicht zu gefallen, die Alte tickt ja völlig aus, was Tom viel zu anstrengend ist, also lässt er sich lieber wieder wegdriften, auch wenn er dringend was zum Wegspülen bräuchte und auch gerne wissen würde, wer ihn alles an den Eiern packt.

Schuld ist wahrscheinlich Weihnachten.

Schon im Keim ein grandioser Abfuck und wer genau was angezündet hat oder wer wem Sachen in die Drinks geschüttet oder wer wessen Schwager gefistet oder wer das insgesamt alles nicht vertragen hat, interessiert Bohne.

Kristallklar dagegen Toms aufrichtiger Wille, es soft anzugehen, weil so oder so sowieso alle irre sind.
Mit Sixpacks und Speedballs chillen ist dagegen 1A-harmlos und an Scheiß-Sylvester bleibt Tom zu Hause und freut sich an einer Schnüffelwanne voll Terpentin.

Vielleicht hätte er weniger von dem Becherowka und kleinere Speedballs nehmen sollen und vielleicht hätte er nicht so horny sein und den Typ mit dem In-der-Tür-geirrt nicht so krass bespringen sollen. Möglicherweise war es fatal, die Fete der netten Studenten im zweiten Stock auszuchecken.

Auf alle Fälle war es ganz geil, die nette Studentin in der Küche zu ficken, aber ihr netter Studenten-Freund hätte sich besser raushalten können sollen. Definitiv daneben war der hysterische Aufbruch ins WMF. Wer geht da schon an Sylvester freiwillig hin? Aber Ende Dezember ist eben so anstrengend, dass man auch mal die Eier lüften dürfen muss. Ist doch wahr.

„Tom frühstückt Schnapsmüsli und Acidwurst.“
Tom ist Raver.
Tom nimmt Drogen.
Tom säuft.
Tom ist immer geil.

Anton Waldt schrieb die Abenteuer des Ravers Tom in den vergangenen zehn Jahren zunächst für den Partysan Berlin, später waren Toms Erlebnisse auf den Monatsflyern des Clubs Berghain zu lesen. Die Geschichten sind legendär. Nun sind die besten erstmals in Buchform zu haben: „Toms Schwanz schmerzt wie die Sau. Finally abgenutzt, offensichtlich. Tom summt: ‚Es ist ’ne schmale Linie zwischen Liebe und Hass.’ Tom sucht und findet den Putzlichtschalter im Darkroom. Tom konsultiert sein Hirn. Ohne Resultat. Tom knipst und brüllt: ‚Stimmung!’ Tom hat eine gute Zeit auf der Intensivstation.“

Anton Waldt wurde 1966 in Wien geboren. Er lebt seit 1990 in Berlin und ist heute Chefredakteur des Magazins für elektronische Lebensaspekte De:Bug.

Auf die Zwölf
Anton Waldt
Mit Illustrationen von Harthorst

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