DeKai aus Berlin steht für einen düsteren Techno der etwas härtern Gangart. Der DJ und Labelboss von Ragnarök legt regelmäßig in den Technoclubs der Republik auf und bleibt sich und seinen Fans stets treu. Ohne zweifel erkennt man DeKai nicht nur an seinem besonderen Look, sondern vor allem an seines mehrstündigen Mixsessions, die einem Trip durch die Technokatakomben gleichen und kein Halten kennen. Wir haben DeKai nach einem langen Wochenende getroffen, um über Techno, die Berliner Szene und sein Label zu sprechen.

 

Techno von vor 20 Jahren war nicht nur auf Grund der technischen Entwicklung vollkommen anders. Wie stellst du dir Techno in zehn Jahren vor?

Ich bin jetzt einfach mal blauäugig und stelle mir Techno in zehn Jahren so vor, wie er vor 20 Jahren noch war. Ich vermisse den Spirit von damals, als die Szene noch wie eine Gemeinschaft war, in der alle füreinander da waren und nicht die missliche Lage eines anderen für ihre Zwecke skrupellos ausgenutzt haben. Es wäre schön, wenn DJs wieder mehr DJs wären und auch mal länger als 1,5 h spielen wollten und könnten, was heute ja nicht selbstverständlich ist.

Ich würde mir wünschen, dass die Musik als solches wieder mehr in den Mittelpunkt rückt und es nicht mehr nur noch darum geht, wer welchen Track mit wem als Remixer auf welchem Label veröffentlicht. Heute ist wichtig, mit gekauften Likes eine bessere Reichweite zu gewinnen oder wer Millionen Plays auf Soundcloud hat… aber macht das einen guten DJ aus?

Begrüßenswert wäre auch, wenn die Leute wieder wegen des DJs in den Club kommen und nicht nur, weil eben alle dort hingehen und „chillen“. Was soll das überhaupt, „chillen“ im Club?! Es sollte nicht mehr ausschlaggebend sein, wie du aussiehst, woher du kommst, welche Hautfarbe du hast oder wie dick dein Geldbeutel ist, ob du in einen Club kommst oder nicht. Hier sollte die Prämisse gelten, Hauptsache du hast Spaß!

So ungefähr stelle ich mir Techno in zehn Jahren vor.

 

Welches Gefühl verbindest Du mit Techno?

Freiheit!

Du spielst in angesagten Locations im In- und mittlerweile auch Ausland. Wie vertreibst du dir die Langeweile während der Fahrten und Flüge?

Mit Musik und netten Gesprächen mit den Menschen, die ich unterwegs kennenlerne. Langweile kommt da nie auf 🙂

 

Dein nächstes Release steht auf deinem eigenen Label, das du mit Holger Nielson betreibst, an. Wie würdest du den Sound beschreiben? Was war dir wichtig bei der Produktion der Tracks?

Ja, am 05.06. Den Sound würde ich als Geisterbahntechno beschreiben, das trifft’s ganz gut 😀 Mir ist wichtig, mich nicht dem zu unterwerfen, was gerade aktuell ist. Ich will mein Ding machen, egal ob ich in irgendwelchen Top 10 lande oder nicht.

 

Mit Ragnarøk habt ihr nicht nur ein Label ins Leben gerufen, sondern beinahe eine kleine Bewegung mit Labelnights, Showcases und Klamotten. Hast du damit gerechnet?

Als wir das Label im März 2014 ins Leben gerufen haben, saßen Holgi und ich abends zusammen und hatten halt einfach Bock was Eigenes zu machen. Etwas wo uns keiner reinredet und wir eine Spielfläche haben, die komplett uns gehört.

Neben dem  Label entstand auch schnell die Idee eine Klamottenserie aufzubauen. Die Klamotten haben wir in erster Linie für uns gemacht, weil wir uns mit Ragnarök nach außen identifizieren möchten. Wir möchten zeigen, wir sind anders und unsere Fans von denen mittlerweile auch schon viele freundschaftlich verbunden sind, denken genauso. Letzten Endes ist es uns besonders wichtig, einfach ein paar fröhliche Gesichter mehr  mit unseren Shirts und Hoodies auf den Partys zu sehen.

Das Logo für Ragnarök habe ich damals mit einem befreundeten Grafiker entworfen, welches mittlerweile zu einem richtigen Markenzeichen geworden ist. Allein damit ist schon ein kleiner Traum für mich in Erfüllung gegangen. Wir haben den Kopf (Logo) mittlerweile auch nachgebaut, so dass er nun überdimensional bei den Partys in den Clubs über dem Pult hängt.

Vor allem faszinieren mich an Ragnarök diese Dynamik und die Fans und Freunde des Labels, ohne die das ganze Projekt gar nicht möglich wäre. Ich kriege diese Energie nicht nur um Club zurück wenn ich auflege sondern auch durch viele Mails und Nachrichten.

Ragnarøk ist schon mehr ne Community – Techno eben! Genau so soll es sein.

 

Woher nimmst du überhaupt deine Inspiration, ob nun für deine Podcasts oder Sets?

Frei Rausch, sag‘ ich mal. Und ich hab‘ einfach Bock… immer Bock und ich kann auch immer. Auch wenn ich schon 10 Stunden gespielt habe, geht immer nochmal was 🙂

 

Der Sommer steht vor der Tür und damit die Festival-Saison. Was steht bei dir in den nächsten Wochen noch an?

In den nächsten Wochen steht bei mir erst mal an, dass mein Bein wieder heil wird und ich das Krankenhaus verlassen kann! Weil der Rave mal wieder geiler und ich unvernünftig war, habe ich mir eine fiese Wundinfektion eingehandelt.

Ansonsten stehen für mich Club-Gigs in Stockholm, Köln, Hamburg, Stuttgart und vielen weiteren Städten an. Darüber hinaus einige Festivals wie Helene Beach, Nexus Festival, Second Horizon Festival und die letzte Wiese. Alle Dates und Infos findet ihr hier.

 

Über den Autor

Martin liebt drückende Bässe, die nicht nur den Magen berühren sondern auch den Geist zum Tanzen bringen. Dreckige Clubs stehen generell oben auf der Liste, während der Hochglanzladen mit Glastheke eher unbesucht bleibt. Immer auf der Suche nach dem neusten Beat, dem frischen Groove und dem mitreißenden Sound schreibt Martin seit Jahren für unterschiedliche Musikmagazine und Blogs ohne dem großen Hype hinterherzulaufen.

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