Und das, obwohl dies der Titel der Platte war, mit dem die fleißige und perfektionistische Neuköllnerin bekannt geworden ist.

Vorher gab es allerdings einen langen harten Weg, der zurückgelegt werden musste, um bei der aktuellen Motoguzzi 006 namens „Kimono“ zu landen, die bereits mit einer Menge Vorschußlorbeeren von James Holden, Troy Pierce, Laurant Garnier uvm. belegt wurde.

Aber beginnen wir üblicherweise mal am Anfang: Cio, die übrigens wirklich so heißt und deren Name, um alle Diskussionen hiermit zu beenden, mit K ausgesprochen wird, wuchs in der Umgebung Hannovers auf.

Nach abgeschlossener Tanzausbildung fand sie ihren Weg zur musikalischen Selbstgestaltung über das Zusammenstellen von eigenen Choreografien und das Spielen von Kongas in einer Jazzband.

Beeinflusst wurde sie von David Byrne und Brian Eno, aber auch Miles Davis.

Über Berlin fand sie ihren Weg nach München, war zuerst begeistert von Drum&Bass von LTJ Bukem und später House, was sie auch regelmäßig zum besten gab: „Am Anfang habe ich Schummelmixe gemacht, habe Ambient mit Beat gemischt, afrikanische Urroots mit ganz moderner Elektronik usw.“

Ihre Experimente waren beliebt, doch irgendwann kam jemand zu ihr: „Du kannst ja gar nicht beatmixen! Von da an, habe ich jede freie Minute über 2Jahre geübt.“

House wurde ihr dabei schnell zu langweilig. Sie spielte in Münchener Bars, auf Parties & im Flokati: „An der Dramaturgie meines ersten Technosets saß ich ein halbes Jahr. Meinen ersten Technogig hatte ich dann bei einer Privatparty, wo mich Richard Bartz hörte, dem es so gefiel, dass er mir eine Chance in seiner Profiliga auf seiner Kurbel-Tour gab.“

Residencies im Ultraschall und Electric Delicate – und wie kam sie zum Produzieren? „Ich habe zuwenig Platten gefunden, die ich spielen wollte, habe mir dann eine MPC 2000 gekauft und zweimal die Gebrauchsanweisung gelesen.“

Während mehrerer Tauchaufenthalte im Sinai schnitt sie die verschiedensten Geräuschkulissen mit & sampelte Basslines_und Drums, aus denen sie ihre ersten Tracks bastelte: „Ich bin auch schon mit vorproduzierten Ideen zu anderen Produzenten ins Studio gegangen, mit denen ich aber leider nie richtig zufrieden war. Ich habe immer eine ganz genaue Vision im Kopf, die ich umsetzen will.“

Nach einem Jahr Rückzug vom Partyleben, welches sie auf Formentera und in München verbrachte, gab es endlich Tracks von ihr, die ihren eigenen Ansprüchen genügten: „Es war alles aus dem Bauch heraus und Technik anlesen und die Stücke entsprachen nicht unbedingt dem aktuellen Zeitgeist.“

Dabei war auch „Hokus Pokus“, ein zeitloser Track, welcher bei Treibstoff als ihr Debüt erschien und für sie überraschend in den Groove Charts landete.

Und dann ging alles Schlag auf Schlag: Ihren Compilationbeitrag „Toläi&the Coconut“ für Richard Bartz’ „Munich Motorcity“ machte sie in Thailand, hinzu kam der „Paradies Remix“ für Trisomie 21 und schließlich die „Lichtblick EP“ für Karmarouge und der „Lauschgoldengel“ zusammen mit Gabriel Ananda für Treibstoff.

Seitdem sie in Köln lebt, ist ihr Stil minimaler und melancholischer geworden: „Finde ich derzeit berührender als Happy Music. Ich habe nach der Unendlichkeit gesucht und war beeindruckt, dass man mit reduzierten und kurzen Tönen so viel Druck und Aussage bewirken kann.“

Dies spiegelt sich auch in der Umgebung von Cio wieder: eine Mischung aus Reduktion und Romantik. Das meißte Geld steckt sie in Platten und Equipment: „Habe mich letztens von einem Drittel meiner Sammlung getrennt, da ich nur noch Perlen zu Hause haben möchte, keinen Müll, nur noch Essenz.“

Cio ist sportlich, läuft gern in Wäldern, taucht gern im Meer, mag gesundes Essen und leichte Getränke. Der Rest ihres Lebens besteht überwiegend aus Musik, Reisen und Freunden: „Manchmal empfinde ich Musik als Reise nach Innen viel intensiver als wirkliches Reisen. Ab und zu bin ich neben den vielen Reisen auch sehr gern zu Hause.“

Dort hört sie auch Klassik, experimentelle- und Ambientmusik und auch so Sachen wie Björk oder Dub, aber natürlich auch viel aktuellen Techno. „Meine Musik drückt in erster Linie meine Emotionen aus, die sich natürlich ändern können. Auf jeden Fall berühren mich tiefe Emotionen, egal ob positiv Harmonie oder auch Melancholie oder tiefe, druckvolle Basslines am stärksten. Ich bin auch inspiriert von Musik, die aus dem Bauch herauskommt, wie sie z.B. Xyramat macht. Ich vermisse zwei Räume an einem Abend, wie es das Ultraschall hatte: Ein Raum, in dem Musik weiterentwickelt und experimentiert wird, damit etwas Neues entstehen kann und die Crowd somit mehr offen wird und gegebenenfalls neue Stile und Tanzarten entwickeln kann und die elektronische Musik in dauerhafter Bewegung bleibt, also nicht langweilig wird! Mittlerweile wird so etwas von den Veranstaltern leider immer weniger gefördert.“

Cio schreibt Lyrics und experimentiert gern mit durch den Mund gemachte Töne. „Neulich in Istanbul auf dem Flughafen, saß ich z.B. völlig übernächtigt unter 11 türkischen Fahnen, die im Wind flatterten. Diesen Klang hätte ich so gern aufgenommen. Ich war so überwältigt, da er genau meiner derzeitigen Soundästhetik entspricht.“ Und so würde sie auch gern den Klang ganz alltäglicher Gegenstände neu designen. „Eine Bohrmaschine oder ein Mixer könnten doch ganz anders klingen. Dafür sollte man auch gleich ein eigenes Label aufmachen.“

Zuerst kommen aber handfestere Projekte, wie z.B. eine italienisch-russisch-deutsche Coproduktion mit Donato Dozzy, Paul Brtschitsch und Dasha Rush und der 10 Jahre Treibstoff-Sampler im Oktober 07 mit ihrem Track „La petité Geisha“. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten grossen Remix für dieses Jahr, den sie noch geheim halten möchte.

Für 2008 sind bereits echte Überraschungen im Gespräch.
Der Weg geht also immer weiter.
Bleiben wir dran…

www.ciodor.de

One Response

Leave a Reply

Your email address will not be published.