Hallo Chris, erstmal vielen Dank, dass Du Dir Zeit für uns nimmst. Am Samstag, den 21.04.12 bist Du im Rahmen der neuen CLR Residency zusammen mit Speedy J und Monoloc zurück im Stuttgarter Lehmann Club. Uns interessiert natürlich erstmal, warum Du Dir bzw. Ihr Euch genau diesen Club in Stuttgart ausgesucht habt?

Die Idee im Lehmann eine Residency zu starten kam ganz von allein auf, da die vergangenen Parties einfach so unglaublich gut waren und der Club einer unserer absoluten Lieblingsclubs für Techno Events ist. Außerdem erinnert er mich sehr stark an das Omen in Frankfurt, vom ganzen Layout her… das beeinflusst dann natürlich auch die Party 😉

Chris Liebing 1Generell spielst Du ja sehr häufig, ja sogar regelmäßig in Benztown mit einer Beständigkeit seit vielen, vielen Jahren. Wie siehst Du die Stuttgarter Technoszene? Vielleicht auch im Vergleich zu anderen deutschen oder europäischen Städten ?

Ich würde sagen, die Stuttgarter Techno Szene ist auf jeden Fall eine der begeisterungsfähigsten, die ich überhaupt kenne. Ich komme immer wieder sehr gerne hierher. Was Techno angeht, gehört Stuttgart definitiv neben Berlin zu den führenden Städten in Deutschland. Man könnte sagen, dass die Leute im Stuttgarter Raum ein hoch entwickeltes und stark ausgeprägtes Party-Gen haben 🙂 Eigentlich so klein eigentlich und doch so Party-verrückt!

Ihr seid mit Euren Residencies ja sehr „umtriebig“. Mittlerweile gibt es ja in den verschiedensten europäischen Städten feste Locations und Termine.
Möchtest Du oder möchtet Ihr damit auch ein Art Zeichen setzen, also Euch klar positionieren und auch CLR als Label, Kollektiv, Agentur und Familie präsentieren? Es hat ja den Anschein, dass Du auch ganz gezielt nicht nur Chris Liebing selbst sondern eben auch alle anderen CLR Künstler in den Fokus stellst …

Chris Liebing 2Das ist eine Entwicklung, die mich sehr freut. Klar wollen wir uns als das präsentieren, was wir sind und sind glücklich darüber, dass die Leute damit etwas anfangen können. Wir sind tatsächlich eine Mischung aus Label, Kollektiv, Agentur und Familie und ich bin nur einer der Künstler in diesem Team. Vor zwei Jahren habe ich mit der Umbenennung des Labels ein Zeichen setzen wollen, indem ich CLR die Bedeutung “Create Learn Realize“ gab und mein Ego aus dem Label-Namen entfernte. Es geht nämlich nicht in erster Linie um mich, sondern um eine Plattform für Talente, auf der sie sich weiter entwickeln und entfalten können. Die Parties nutzen wir eigentlich auch zum Großteil dazu, zusammen spielen und Spaß haben zu können.

Bei anderen Labels und Agenturen hat man oft das Gefühl, dass die jungen, nachkommenden Acts, im Vergleich zum „Boss“ oder zu der eigentlichen „Galionsfigur“ immer bewusst klein gehalten werden. Bei Euch hat man diesen Eindruck absolut nicht. Du spielst auch mal gern mit Deinen Jungs back2back oder gibt’s bewusst Playtime ab, sogar auch mal eine Primetime. Oder präsentierst sie eben durch die diversen Residencies.

Spiegelt das Deine Eure Philosophie wieder?

Wie schon gesagt, mir sind alle Künstler auf dem Label sehr wichtig und ich sehe mich weder als Boss noch als Gallionsfigur. Andere Künstler klein zu halten, um selbst besser da zu stehen, leuchtet mir nicht ein und ist ganz einfach nicht meine Art. Wenn ich das Gefühl habe, ein anderer Künstler kann gerade der Party mehr geben als ich selbst, mache ich gerne Platz für ihn. Mir geht es in erster Linie um die Musik und die Atmosphäre, die wir gemeinsam damit aufbauen können, weniger um Personen.

Techno ist ja nicht zu letzt dank einem Label wie CLR oder einem Ausnahmekünstler wie Dir wieder aktueller denn je. Du bist ja eigentlich Deiner Linie immer treu geblieben, fühlst Du Dich dadurch auch bestätigt?

Das könnte man schon sagen. Ohne mir etwas darauf einzubilden, muss ich klar zustimmen, dass ich mir in meiner Laufbahn als DJ immer treu geblieben bin, was mir auch nicht schwer gefallen ist, da ich meine Musik lebe und liebe und es mir fern liegt, auf irgendwelche Trends aufzuspringen. Ich war immer ein großer Freund von Techno in verschiedensten Spielarten und daran wird sich auch nichts ändern.

Nicht nur in Deutschland und Europa ist Techno präsent, insbesondere in den USA scheint viel zu passieren. Auch Du und Deine Künstler spielen immer öfter dort. Welchen Eindruck hast Du von der aktuellen U.S. Szene und meinst Du, dass sich in den USA über kurz oder lang eine ähnliche Technokultur wie bei „ uns entwickeln könnte?

Wenn man eine unserer Parties in New York oder L.A. miterlebt hat, dann weiß man, dass sich dort gerade wirklich etwas entwickelt. Es mit der Deutschen Techno Kultur zu vergleichen, würde der Sache wahrscheinlich nicht gerecht werden, da es natürlich nicht auf die gleiche, über viele Jahre gewachsene Geschichte zurück blicken kann. Nichtsdestotrotz ist es eine sehr spannende Entwicklung und wir freuen uns jedes Mal, wenn wir wieder in die Staaten zu einem CLR Event fliegen oder auf einem der Festivals spielen, die auch immer mehr auf Techno setzen. Die Zeit der Gigs in irgendwelchen Bars, wo kurz die Tische weggeräumt und schnell ein paar Lautsprecher aufgebaut wurden, ist wohl vorbei, wobei das auf jeden Fall auch einen gewissen Charme hatte!

Chris Liebing 3Wo wir gerade beim Thema USA sind: Bald steht ja auch wieder die WMC in Miami an und CLR wird dort auch vertreten sein. Wie wichtig ist diese Konferenz für Dich? Ist wirklich auch Business und Netzwerken oder eher ein paar partyreiche Tage?

Das erste Mal war ich 1996 auf der WMC… Mann, Mann, wie die Zeit vergeht! Ich bin ja nicht so der Business Mann, das überlasse ich gerne anderen, aber man trifft dort auch immer viele Leute einfach so auf der Strasse und hängt mal für einen Kaffee ab. Auch da kommt schon viel bei rum. Dieses Jahr ist was ganz besonderes, da wir (man höre und staune) zusammen mit dem Pacha in NYC eine Pool Party im National Hotel in South Beach machen!

Wenn man die WMC mit dem europäischen Pendant, dem ADE vergleicht, wo liegen da die größten Unterschiede, mal abgesehen von den Temperaturen und dem Wetter?

Die WMC ist im Vergleich zur ADE eigentlich total anders. Dort wird in erster Linie wert auf die Parties gelegt, die Panels sind eher so eine Art Entschuldigung um auf Parties zu gehen. Das ist in Amsterdam ganz anders. Es gibt zwar Künstler oder Leute aus dem Musik-Business, die man auf allen großen Konferenzen sieht, doch Miami zieht ein ganz bestimmtes Publikum an, das letztendlich den Charakter dieser Veranstaltung und der damit verbundenen Parties ausmacht. Ohne Wertung würde ich sagen, dass abgesehen von dem Wetter und den Temperaturen vor allem das Land und die Leute den feinen Unterschied ausmachen.

Beim CLR Label passiert ja momentan auch eine Menge. In wenigen Wochen erscheint das Motor Album „Man Made Machine“. Hier sorgte die vorab Single ja schon für enorm viel Aufmerksamkeit, insbesondere aufgrund des prominenten Features mit Martin L Gore von Depeche Mode.
Das komplette „MMM“ Album wird ja auf CLRX, dem neuen CLR Sublabel, veröffentlicht. Sind da in Zukunft ähnliche Veröffentlichungen geplant?

Wir freuen uns alle sehr über diese anstehende Veröffentlichung und das ausgesprochen positive Feedback, das die Vorab-Single “Man Made Machine“ bis jetzt schon bekommen hat. Bryan Black, das Mastermind von Motor, hatte mir das Album vorgespielt und da ich ein Kind der 80er bin, fand ich das super. Ich bot ihm aus Spaß an, es auf CLR zu veröffentlichen… Er dachte, ich meine es Ernst, und so wurde aus dem Spaß tatsächlich Ernst, und nun haben wir alle Spaß dran 🙂 Weil es sich nicht um die Art von Techno handelt, die sonst so auf CLR rauskommt, hab ich mich für die Gründung von CLR X entschieden, um auch eine Plattform für anderes zu haben. Mal sehen, was sonst so kommt. Ich bekomme jedenfalls plötzlich eine Menge Demos von diversen Bands. Also irgendwie scheint da Bedarf zu sein.

Kannst Du denn generell schon etwas mehr zu kommenden Veröffentlichungen auf CLR verraten, vielleicht auch zu neuen Chris Liebing Releases?

Ich möchte an dieser Stelle am liebsten über zwei Alben sprechen, die im Laufe des Jahres auf CLR erscheinen werden. Monoloc hat sein Debüt-Longplayer inzwischen fertig und wir arbeiten zur Zeit am Release. Etwas später im Jahr kommt dann das ebenfalls lang erwartete Drumcell Album raus, zwei absolut großartige Veröffentlichungen, auf die ich mich schon sehr freue. Dann kommen noch diverse EP’s, unter anderem von ROD und Pfirter. Auch eine neue Traversable Wormhole CD samt Remixes wird es geben und natürlich Remixe für die Motor Singles. Da ist so einiges in Arbeit. 

Ich selber konzentriere mich momentan eher darauf, quasi als Executive Producer Hand bzw. Ohr bei diesen Projekten anzulegen, um so zum einen den Künstlern beim Abmischen  und auch teilweise bei der Track-Auswahl zu helfen. Ich fühle mich in dieser Rolle und in der des Label-Managers momentan ganz wohl, da bleibt wenig Zeit zum selbst Produzieren. Das wird wohl irgendwann mal wieder passieren, ist aber bei mir grade keine Priorität.

Kommen wir abschließend noch mal auf den 21.04. zu sprechen. Du wirst wie erwähnt diesmal an der Seite von Speedy J und Monoloc stehen. Mit Jochem (Speedy J) verbindet Dich ja auch eine enge Freundschaft. Werdet Ihr in naher Zukunft denn auch mal wieder zusammen ins Studio gehen?

Es stimmt, dass Jochem und ich schon lange gute Freunde  sind und ich freue mich schon sehr, am 21.04. wieder mit ihm zusammen zu spielen. Ob wir bald wieder zusammen ins Studio gehen wird sich zeigen, im Moment ist so viel los und wir beide haben genug zu tun, da haben wir noch keine konkreten Pläne.

Wenn man Speedy J und Chris Liebing auf einem Flyer sieht, dann denkt man natürlich direkt an die sagenhaften Collabs Sessions. Werdet Ihr auch im Lehmann zusammen performen?

Im Lehmann spielen wir als Speedy J und Chris Liebing. Was dann tatsächlich in der Nacht passiert und ob wir nicht doch unsere Setups synchronisieren, um auch mal wieder zusammen spielen zu können, kann ich jetzt wirklich nicht sagen. Es hat sich, glaube ich, schon rumgesprochen, dass ich nicht immer alles bis ins Detail plane, sondern auch mal das Motto “go with the flow“ gelten lasse. Eine offizielle Collabs Session ist allerdings nicht geplant.

Zu guter letzt vielleicht noch einen kurzen Ausblick auf die Nacht am 21.4: Was dürfen die CLR Fans erwarten?

Bass! Wir werden versuchen, ihnen einen packenden Soundtrack zu liefern, und glauben, dass das Lineup die besten Voraussetzungen dafür hergibt. Meine ganz ehrliche Meinung ist, dass Techno noch nie so aufregend wie heutzutage war, insofern darf man gespannt sein und sollte diesen Event nicht verpassen.

Wir freuen uns auf eine fette CLR Nacht am 21.04. im Lehmann Club

Wir freuen uns auch schon sehr auf´s Lehmann, und darauf Euch alle dort wieder zu sehen!

Danke!

Ich danke ebenfalls für Euer Interesse und Eure Unterstützung!

2 Responses

  1. uft

    hmmm… also ich kann dem nicht ganz zustimmen,dass stuttgart techno mega ist. im letzten jahr war ich in einigen clubs quer durch deutschland unterwegs, hauptsächlich in berlin. Techno zeichnet sich aus durch Vielfalt und Toleranz aus. Ich habe aber den Eindruck dass in Stuttgart die Leute sehr voreingenommen sind. Zugegeben das sind andere Städte auch. allerdings wird über diese städte nicht behauptet, sie stünden an forderster front in Sachen Techno. Das Niveau vom Sound her ist sehr hoch in Stuttgart, aber das Party feeling steht nicht im Verhältnis dazu. Hier seien gennant statusorientiertes Denken sowie Geld vor Spaß. Stuttgart fehlt ein eigener Techno Stil, zumindest setzt sich das nicht durch. Wieso? Obwohl mir das Feiern hier Spaß macht, hab ich das gefühl von programmierten Maschinen anstatt von interessanten Individuen umgeben zu sein. Außerdem lassen sich Stuttgarter ungern was sagen und was das experimentelle angeht wird viel Überwindung gebraucht, es sei denn Chris Liebing sagt der und der Act ist fett, dann wandert dieser Programmcode mit Leichtigkeit oft ohne eigene Reflexion in die Maschinen und es wird getanzt. es gibt nur wirklich eine kleine Gruppe von Menschen die tatsächlich Techno praktizieren. Die Mehrheit schwimmt einfach nur mit weil sie gehört haben, dass es wohl gut sein muss. Anreisende Artists sprechen oft ihre Bewunderung für die Szene in Stuttgart aus, wenn dem so ist wieso lassen sich dann nur ganz wenige big fishes hier nieder? man könnte ewig so weitermachen, doch wie ich schon sagte, solang die kohle stimmt und das feeling halbwegs cool ist, lässt sich ein stuttgarter nicht mehr belehren, dass es noch besser geht.

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