Butch.Bülent.Bouq. Die Augen weit offen.

Die Augen, nicht die Ohren zu öffnen, um zu hören, was es zu sehen gibt — eines der vielen Paradoxe, die der in Mainz ansässige Butch gekonnt zu vereinen weiß.

Bülent aka Butch hat in den letzten Jahren enorm Gas gegeben um unter den meist gespielten und gefragtesten DJs zu landen. Zwei Albem, Gigs rund um den Globus und zahlreiche Release und Remixe. am 30.04. könnt ihr ihn bei 20 Jahre Mayday live erleben.

Wir haben ihn vorab getroffen und gefragt, was seiner Meinung nach, der ausschlaggebende Punkt für seinen Erfolg war.

Butch: “Es ist schwer die Entwicklung der letzten Jahre an einem Release festzumachen. Rückblickend würde ich sagen, dass es mindestens vier Produktionen gab, die mich entscheidend vorangebracht haben. Meine erste Veröffentlichung auf Great Stuff „On the Line“ war Anfang 2007 glücklicherweise direkt ein Volltreffer.

Es wurde unter anderem von Richie Hawtin gepusht und verkaufte sich auf Beatport so gut, dass der Track in zwei Kategorien bei den Beatport Music Awards 2007 nominiert wurde. Danach hatte ich mit „Mushroom Man“ auf Thomas P. Heckmanns Label AFU-Limited einen großen Erfolg, der 2008 noch von „Amelie“ getoppt wurde.

Der Track war die Single zu meinem ersten Album „Papillion“. Was mich damals besonders stolz gemacht hat, war die Tatsache das „Amelie“ auf der einen Seite von DJs wie Luciano, Loco Dice oder Reboot gespielt wurde, auf der anderen Seite aber auch einen Gewissen „Mainstream-Appeal“ hatte und sich daher in den belgischen Top Ten platzieren konnte oder bei Germanys Next Topmodel eingesetzt wurde.

Der aktuellste, ganz wichtige Release war für mich logischerweise „No Worries“ auf Cecille im letzten Jahr. Nachdem ich dafür den Award für den „Track of the Season“ bei den Ibiza DJ Awards gewonnen hatte und auch in der Groove Leserumfrage den ersten Platz belegen konnte, hat das Interesse und die Anfragen noch einmal stark zugenommen.“

Für sein zweites Album wählte er sein eigenes Label bouq. Was denkt Bülent über die wachsende Gemeinde von Künstlern, die auf eigens kreiierten Labeln releasen?

„Bei EYES WIDE OPEN ging es mir vor allem darum die größtmögliche künstlerische Freiheit zu genießen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Ich denke das ist auch einer der wichtigsten Gründe warum etablierte Künstler ihre eigenen Labels gründen. Natürlich spielt auch das Internet eine nicht unwesentliche Rolle, weil dadurch in den letzten Jahren vieles einfacher geworden ist.

Allerdings sehe ich diese Entwicklung auch kritisch, weil man doch deutlich merkt das wegen der Vielzahl von Labels und Releases die Qualität leidet. Außerdem bin ich nach wie vor ein großer Fan von Vinyl, daher ist alles was ich bisher veröffentlicht habe (mit einer Ausnahme: Apophis auf Dubfires Label Sci+Tec, das Digital- Only ist) auch auf Platte erschienen.”

Zu guter Letzt bleibt noch die Frage offen, was sich seiner Meinung nach in der Welt verändert müsste, damit es jedem ein klein wenig besser ginge. Was könnte jeder Einzelne bewirken?

Sein Statement „ Nachdem man die Woche über so vom Leben gefickt wird, sollte man am Wochenende Spaß haben — nur sollte man wissen, dass es Menschen gibt, die noch härter gefickt werden, aber kein Wochenende zum Ausgleich haben.“, zeigt seinen offenen Blick.

„Ich habe im vergangenen Jahr unter anderem in Israel, Kolumbien, Mexico und der Ukraine gespielt; alles Länder die im Vergleich zu uns in Mitteleuropa große Probleme haben. Trotzdem war eines war für mich immer offensichtlich: Die Freude an Musik und am Feiern ist etwas sehr positives, dass die Menschen vereint und Sorgen zumindest für eine Nacht in den Hintergrund rückt.

Natürlich habe ich auch kein Patentrezept um die Welt zu verbessern. Aber wenn jeder ein bisschen was in seinem eigenen Mikrokosmos bewegt, ist das schon ein Anfang. Elektronische Musik mit einer Message oder einem Statement ist da nur eine Möglichkeit. Ich sehe mich da auch keineswegs als Vorreiter. Leute wie Jay Haze sind in dieser Hinsicht noch viel aktiver, wovor ich auch großen Respekt habe.“

 

Sein Album Eyes Wide Open ist am 17. November 2010 auf dem Label bouq.records erschienen.

Butch
Eyes Wide Open
Bouq.Records (Intergroove)

Leave a Reply

Your email address will not be published.