Auf Ibiza hat sichs erst mal ausgefeiert. Die IBIZA Krise. Amnesia, BoraBora & DC10 shut down.

Barcelona. Nach Jahren voller ausschweifender Partys auf der spanischen Urlaubs-Insel Ibiza machen die Behörden jetzt ernst: Eine Woche vor beginn der Hauptsaison wurden auf richterliche Anordnung die bekannten Club-Diskotheken DC 10, Bora Bora und Amnesia geschlossen. Das schreibt die lokale Zeitung Diario de Ibiza.

Grund hierfür sind angebliche Beweise der Guardia Civil aus den Jahren 2005 und 2006, dass die Betreiber den Drogenkonsum der Gäste in den Clubs toleriert haben. Drogenkonsum und dessen Duldung sind in Spanien strafbar.

Das Amnesia und das Bora Bora wurden daraufhin für einen Monat, das DC 10 für zwei Monate dicht gemacht. Alle drei Clubs müssen zudem eine Strafe von je 6000 Euro zahlen. Mit der Aktion üben die Behörden Druck auf die Party-Szene aus und wollen den Verkauf, Besitz und Konsum von Drogen auf der Insel erschweren.

Die drogengeschwängerten Clubnächte sind bei vielen Tausenden Party-Touristen sehr beliebt, bei den Behörden und Familien-Urlaubern verpönt. Mehrere Drogentote am Stand Playa den Bossa zogen in den vergangenen Jahren schlechte Presse nach sich. Außerdem wirken Kriege der Drogen-Banden wie 2006 in San Antoni abschreckend auf normale Touristen.

Von der ganzen Aktion unberührt bleiben übrigens die drei anderen bekannten Clubs der Insel Pacha, Privilege und Space. Dabei gibt es aus dem Space sogar in der BBC-Reportage Drugland Ibiza filmische Beweise des Drogenkonsums. Gerüchte sagen dem Management des Space aber gute Verbindungen in die spanische Staatspolitik nach, was die Betreiber von der Sippenhaft der Feierschuppen-Betreiber verschont haben könnte.

Auch deutsche Veranstalter sind von der Schließung der Clubs betroffen. Zum Beispiel die Frankfurter Agentur Cocoon von Star-DJ Sven Väth, die zur Saison-Eröffnung, dem so genannten Opening, schon seit vielen Jahren legendäre Partys im Amnesia gibt. Die Cocoon-Partys werden auf jeden Fall stattfinden. Vielleicht nur nicht im Amnesia“, sagt Cocoon-Sprecher Andreas Stumpf. Schon kurz nach der Schließung zeigten sich die Betreiber des Amnesia kreativ: Sie verlegten die Party einfach in die direkte Nachbarschaft des Clubs.
Außerdem wollen die  Betreiber der Clubs ebenfalls gerichtlich gegen die Schließungen vorgehen. Hierfür sehen sie zwei Gründe. Erstens sei die von den Behörden verlangte Kontrolle des Drogenkonsums praktisch nicht umsetzbar, andererseits sei selbst die Schließung von einem oder zwei Monaten fatal für die Clubs. Dadurch, dass das Geschäft auf Ibiza saisonal aufgebaut ist, sei sogar ein einmonatiger Verdienstausfall anderswo mit einer ganzjährigen Schließung vergleichbar.

Spanische Medien beurteilen die zeitlich begrenzte Schließung allerdings als mildes Urteil: In anderen Gegenden Spaniens hätten solche Vorfälle eine endgültige Schließung der Clubs nach sich gezogen. Ob die Schließungen tatsächlich über die volle verhängte Länge bestehen bleiben, ist von daher mehr als fraglich. Die Clubs sind wichtig für den touristischen Umsatz der Insel und solche Angelegenheiten sind oftmals nach wenigen Tagen oder Wochen auch wieder erledigt.

Wie auch immer die Sache weiter geht: Die drei Clubs sind jetzt erst mal geschlossen, auch wenn es die rechtliche Möglichkeit gibt, gerichtlich gegen die Schließung vorzugehen. Denn der richterlichen Verfügung, die Läden zu schließen, sei sofort Folge zu leisten, schreibt Diario de Ibiza. Unbenommen der Frage, ob vielleicht im Hintergrund ein schwebendes Revisions-Verfahren anhängig ist.

In Internet-Foren geht unter den Ibiza-Fans mittlerweile das kalte Grausen um: Da wurde der Jahresurlaub investiert, das Sparbuch geplündert und die ganze Feier-Clique koordiniert, um gemeisam zum Summer-Opening auf Ibiza mal so richtig die Sau rauszulassen  und dann haben die die bei deutschen Party-Touristen mit anständigem Musikgeschmack beliebtesten Läden geschlossen. Sollte sich bis zum eigentlichen Saison-Start daran nichts ändern, könnte dies das Vertrauen der Touristen in die Party-Qualitäten der Insel nachhaltig stören. Das wiederum würde dann auch die Tourismus-Branche zu spüren bekommen, weil Buchungen für Flüge und Hotels ausbleiben.

Wir vertrauen hierbei auf die Kreativität der Pituysen: Denn mit guter Musik lässt sich auch in anderen Orten auf der Insel prima Party machen. Muss ja nicht immer im Amnesia, DC 10, Bora Bora oder dem Space sein.

NEWSUPDATE > 18.06.
Cocoon-Opening im Privilege
Weil das Amnesia auf Ibzia bis auf Weiteres von den spanischen Behörden geschlossen wurde (Partysan berichtete), haben die Organisatoren die Eröffnungs-Party der Frankfurter Agentur ins Privilege verlegt. Am Montag, 18. Juli, spielen hier SVEN VÄTH, RICARDO VILLALOBOS, CHRIS TIETJEN und ZIP. Damit kommt wenigstens etwas Verlässlichkeit in den Party-Kalender der in den vergangenen Wochen vom Behördenstress gebeutelten Insel.

Von Arne Löffel
PARTYSAN // 18.06.2007

Leave a Reply

Your email address will not be published.