Alex Bau Techno DJ GermanyDa bin ich wieder. Bis jetzt in den März hat`s gedauert, und das liegt nicht dran daß ich faul war oder jetzt abgehoben bin, nachdem ihr (evtl. ja auch Du) mich in die TopTen der besten nationalen DJ`s beim PARTYSAN-Poll 2011 gewählt hast (noch ne Klammer: Danke dafür, hat mich sehr gefreut!!!). Nein, es hat praktische Gründe. Eigentlich nur einen. Und der ist meine alljährliche Tourpause im Januar.

Und weil im Februar kein Mensch mehr Sachen aus dem alten Jahr lesen will, dachte ich mir es ist besser auf die ersten Gigs im Februar zu warten um Dir dann in der Märzausgabe drüber berichten zu können. Alles klar? Gut, dann kann`s ja losgehen. Und weil`s grad so passt bietet es sich an über meinen ersten Februargig zu schreiben, und das aus ein paar Gründen. Zum einen weil er mich in ein Land geführt hat, in dem ich vorher noch nie war. Zum anderen weil aber auch die ganze Geschichte, wie es dazu gekommen ist, eigentlich fast unglaublich ist.

Die Rede ist von Stockholm. Dahin hat mich meine erste Reise im Februar geführt und um es vorwegzunehmen: es war sehr speziell im positiven Sinne.  Zwar hat das ganze zunächst mal etwas nervig begonnen mit dem Check-In am Flughafen Linz, von wo ich geflogen bin weil ich am Tag danach dort noch im Cembrankeller zugange sein sollte (nächste Klammer: auch da war`s echt „leiwand, oida„, denn die dortige junge und extrem motivierte Austrian-Mitarbeiterin bemühte sich ausgiebig und hartnäckig mir mitzuteilen wie die Handgepäckbestimmungen bei Lufthansa aussehen, aber lassen wir das…

Elch-Steak ist echt lecker!

Da war ich dann also in Stockholm am frühen Freitagabend, und die erste positive Überraschung: nicht so kalt wie man denken würde. Nächste positive Überraschung: Elch-Steak ist echt lecker! Dritte positive Überraschung: die Schweden sind so was von entspannt, das hält jedem Elchtest stand. Und so ging es dann in den Club zum Aufbau und Soundcheck. Dort wurde mir dann langsam klar, was hinter dieser ganzen Party steckt.

„Die Fabriken“ ist in Stockholm eine feste Adresse in Sachen elektronischer Musik, und das trotzt den enorm harten Einschnitten des Staates ins Nightlife bei unseren skandinavischen Nachbarn. Nicht nur daß Alkohol dort extrem besteuert wird, neben dem obligatorischen Rauchverbot eine wirksame Maßnahme um das Nightlife zu steuern. Die Sperrzeit aber auf 3 Uhr festzusetzen, das ist echt hart. Dann, wenn es also in so manchen Clubs bei uns noch nicht mal richtig abgeht, ist in Schweden schon wieder alles vorbei. Sieht man mal von den existierenden illegalen Partys ab, die es natürlich auch gibt, bleiben den Schweden also nur zwei Alternativen: früh kommen um lange feiern zu können, oder aber erst um 1 Uhr da sein, und dann in die zwei Stunden alles das packen, wofür wir bis um 6, 8 oder weiß der Geier wann Zeit haben.

Um 12 begann ich dann also mit meinem Set, denn die Veranstalter wünschten sich anlässlich eines Geburtstages schon etwas mehr als die (leider) immer öfters üblichen 2 Stunden-Sets selbst bei Clubgigs. Und so ging es los, die „Extra-Anlage“ lieferte ordentlich Bass, und obwohl die ganze Party in einem eher übersichtlichen Rahmen blieb angesichts der Tatsache daß die Fabriken ja auch keine Riesen-Disse ist, war eine spürbare Intensität zu vernehmen, die irgendetwas anders erschienen ließ, also sonst.

Es war so ein Gig, wo Du als DJ einfach zu jeder Zeit lenken kannst wohin die musikalische Reise gehen sollte, einfach weil alle Anwesenden genau wussten warum sie da sind und für genau das offen waren. Vor allem die beiden Veranstalter, die mich eingeladen hatten, strahlten nur die ganze Zeit, und während meines Gigs begannen in meinem Kopf so langsam aber sich die Puzzleteile sich wie von selbst zu einem Bild zusammenzufügen, und auf einmal ergab alles Sinn und ich dachte mir „Wow, so etwas ist selten, das ist ein einzigartiger Moment“.

Du hast gerade keine Ahnung was ich meine, schon klar, aber um das zu verstehen liefere ich Dir gerne die Auflösung: Stell dir vor, Du bist seit vielen Jahren als DJ unterwegs, hast unzählige Platten gespielt, bist immer auf der Suche nach neuer, guter Musik, nach der besten Party, nach einem Weg deine musikalische Message zu formulieren. Du hörst immer wieder (Gott sei dank), daß es ein „super Set“ war, „total geil“, „ein toller Abend“, „fette Mucke“.

„Da ist ein schwedisches Pärchen, das extra wegen Dir nach Hamburg gekommen ist.“

Das ist alles alleine schon ein tolles Geschenk, über das sich jeder Künstler freut. Und dann aber spielt Du auf einer Party in Hamburg, wo Du bei der Ankunft vor Deinem Set hörst „Ey, ich weiß nicht ob es stimmt, aber da ist ein schwedisches Pärchen, das extra wegen Dir nach Hamburg gekommen ist heute…“, kurz darauf siehst Du die beiden in Berlin im Tresor (der übrigens sogar PLATZ 1 im PARTYSAN POLL belegt) wieder, wechselst ein paar Worte, und stellst fest daß die wohl mehr darin sehen als nur Party, und dann hörst Du auf einmal von deiner Bookerin daß eine Anfrage aus Stockholm auf dem Tisch liegt, die irgendwie anders ist als all die anderen.

Du merkst, daß es da zwei Leute gibt, die von deinem Sound so berührt werden daß sie das ihren Freunden zugänglich machen wollen. Die all die Strapazen einer ordentlichen Partyorganisation auf sich nehmen wollen weil sie unbedingt mal das, was sie selbst so begeistert, in ihrem Umfeld „zum Hören nah“ haben wollen. Fällt Dir was auf? Genau, das nennt man Eigeninitiative!

Sich nicht immer wieder das vorsetzen lassen, was so manche ausschließlich profitorientierten Veranstalter als „hip“ verkaufen wollen. Nein, einfach mal nach seinem eigenen Gusto entscheiden wie die Party aussieht, wo sie stattfinden soll, wer für den richtigen Ton sorgen soll. Und das alles nur aus einem einzigen Grund: der Musik!

„Selber (besser) machen! Oder aber die Klappe halten und feiern.“

Das Ganze hat mich wahnsinnig stark an die Anfangstage von Techno erinnert, denn da war es regelmäßig genau so. Also, Sportsfreund! Meckern über „schlechten Sound“ oder irgendetwas sonst, was Dir bei deinem letzten Clubbesuch nicht gepasst hat, ist nicht!

Selber (besser) machen! Oder aber die Klappe halten und feiern, denn Möglichkeiten, Auswahl und Vielfalt gibt`s ja bei uns gottseidank wieder gerade genug.

Ok, genug Klammern für heute. Ich freu mich auf die nächste Party von einem Veranstalter, dem es wirklich um die Mucke, und nicht nur alleine um die Flocken geht.

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