Alex Bau`s Tourtagebuch > Heute: Kult vs. Kommerz!

Alex Bau Techno DJ GermanyWas is los mit dem Bau? Keine Printversion dieses Mal, „nur“ digital. Ist ja schon fast wie in den meisten Clubs hinterm Dj-Pult. Jetzt ist also das geschriebene Wort auch noch dran… Na ja, ganz so schlimm ist es nicht, der einfache Grund ist, daß ich nicht rechtzeitig zur Abgabefrist fertig wurde mit dem Tourbook.

Kann ja mal passieren in den digitalen Zeiten, in denen Headlines ja so oft eigentlich gar keine Bedeutung (mehr) haben. Nun ja. Wie schafft ihr Raver es eigentlich immer pünktlich, zumindest am richtigen Tag, am Start zu sein. Ich glaube wir Künstler können uns geehrt fühlen, Party scheint ja für Euch doch noch wichtiger zu sein als so manche andere Verabredung, oder aber die meisten schaffen es doch nicht mehr, und das ist dann der Grund warum die ein oder andere Party dann mal weniger gut besucht ist.

Gab`s früher, vor Facebook, irgendwie nicht so oft. Auf was für Theorien man so kommt im Laufe der Zeit, lustig… Da wären wir auch schon beim Thema.

„Ja, es gibt sie noch, die Kapitalisten in Reinform, denen es einen Scheiß um die Mucke geht“

Ganz und gar nicht lustig benehmen sich nämlich so manche Location-Betreiber. Ja, es gibt sie noch, die Kapitalisten in Reinform, denen es einen Scheiß um die Mucke geht, sondern einzig und alleine darum wie man nicht die Kultur, sondern die eigene Kohle möglichst schnell und ohne Mühen vermehren kann. Diese Erfahrung habe ich kürzlich machen können / müssen / dürfen. Such Dir was aus. Da kam ein Eventlocation-Betreiber auf die Idee, daß es ja eigentlich eine gute Sache wäre auch elektronische Musik anzubieten, und schnell waren auch die richtigen Szenekenner gefunden die das Ganze dann nach vorne bringen sollten. Also wurde ein Vertrag gemacht (eine wichtige Information, bitte auf dem RAM speichern!), alle waren super motiviert, zumindest noch beim Meeting zur Vertragsunterzeichnung, und schon konnte es losgehen.

Unsere Warnungen, daß 5 Wochen Organisationszeit für einen Event in einer Location, die sonst nicht (mehr) so bekannt ist auf der elektronischen Landkarte, schwierig werden könnte, wurden in den Wind geschlagen: „Nein! Da helfen wir schon alle mit, das läuft, das wird gut, das wird der Knaller, das reicht schon…„. Na ja. Ok. Dann soll es wohl so sein. Also Gedanken zum Lineup gemacht, sogar noch kurzfristig einen nicht ganz billigen, aber renommierten Headliner gefunden, und schon waren die Flyer gedruckt, der obligatorische Facebook-Event angelegt, und die „Ich nehme teil“ fingen an sich zu häufen.

…“mit dem Glockenschlag zur Türöffnung war auf einmal gar nichts mehr lustig“

Dann kam die Party, und just mit dem Glockenschlag zur Türöffnung war auf einmal gar nichts mehr lustig. Securities, die von der Location gestellt wurden, machten ihr Job nicht richtig (so wurde ich z.B. darüber informiert daß es noch nie Job der Security war Einlass-Armbänder zu kontrollieren, sondern nur Ausweise auf Volljährigkeit – echt? Ok, ist zwar in allen Clubs der Welt, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, anders, aber ich lerne ja gerne und fleißig dazu… mir schwante in dem Moment welche Minderjährigen-Partys da sonst wohl so stattfinden, und als ich dann in einem Regal einen riesigen Stapel unverteilter Flyer vorfand, schwante mir auch noch daß es da jemand mit dem „Nein! Da helfen wir schon alle mit, das läuft, das wird gut, das wird der Knaller, das reicht schon…“ nicht so ganz genau genommen hatte.

War offensichtlich an uns als Veranstalter komplett delegiert worden. Ich meine, klar, die Securities haben ja durch das ausschließliche Ausweisekontrollieren genug zu tun, und können bei anderen Events den Besuchern keine Flyer von einer folgenden Veranstaltung in die Hand drücken. Klar. Wie komm ich nur auf solche Ideen. Um es kurz zu machen, die Party war durchaus angemessen besucht, nicht knackevoll, aber schon schön was los und das übliche Gejohle, Getanze, Getrinke, eben alles was dazu gehört. Für 5 Wochen vollkommen ok, und sicher ein guter Start für eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe für den Rest des Jahres.

Denkste!

Genau drei Tage nach dem Event fand ich einen meisterlich formulierten Brief in meinem Briefkasten, der suggerieren sollte man war beim Anwalt, und der Vertrag (schau, merken hab ich gesagt! Danke!) sei so ja gar nicht gültig, und außerdem stehe ja auch kein Datum drauf, und unterschrieben war er ja auch nicht. Und daher mache man von dem 14-tägigen Rücktrittsrecht Gebrauch, und löse den Vertrag auf. Zuerst hab ich mal daraufhin mal auf meine Uhr geschaut. Nein, der 1. April war schon ne Weile vorbei. Dann habe ich in den Vertrag geschaut, und entdeckte Unterschriften von allen Vertrags“partnern“ und ein Datum der Unterschrift stand auch drin – Februar. Hä? 14 Tage? Es ist doch April!

„Hey, jetzt merk ich es, die wollen mich f… und ihren vertraglich geregelten finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen!“

Als nächstes erinnerte ich mich an mein BWL-Studium, in dem ich in den Rechtsvorlesungen bei Prof. Dr. Mütter mal gelernt hatte, daß ein 14-tägiges gesetzliches Rücktrittsrecht sich nur auf eine Art von Vertrag beziehe, und das sei das sogenanntes Fernabsatzgeschäft. Und ich konnte mich beim besten Willen nicht erinnern den Locationbetreibern eine Partyreihe am Telefon oder im Webshop meiner Homepage verkauft zu haben. Also dachte sich der Bau „Hey, jetzt merk ich es, die wollen mich f… und ihren vertraglich geregelten finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen!“. Und wie heißt es so schön in Pulp Fiction „Und wenn einer Mrs. Wallace die Füße massiert, dann ist das sicher nur Mr. Wallace„. Auf den konkreten Fall bezogen kannst Du dir vorstellen, wie man das formulieren könnte 🙂

Also ging der Herr Bau, der eigentlich gar keine Partys veranstalten will, und zu der Gelegenheit nur kam, weil ihn ein Bekannter drum gebeten hatte, zu seinem Anwalt, und mehr kann und will ich jetzt auch gar nicht sagen, denn das wäre nicht angemessen und auch nicht korrekt. Ich weiß nur, daß ich mal wieder die Schnauze gestrichen voll habe von irgendwelchen den Hals nicht vollkriegenden Bierzeltwirten, die sich denken „So, jetzt melken wir mal die Techno- und Housekuh, und quetschen so viel Milch raus ohne sie zu füttern, bis ihre Euter wie schlaffe Säcke am Boden schleifen, und alle nur noch sagen „Igitt, also diese Techno- und Housekuh gefällt mir gar nicht, da trink ich lieber ultrahocherhitzte Kommerzmilch„…“.

Ja, also wenn das die Kochprofis lesen, dann gibt`s aber eins hinter die Löffel!!!

 

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