Alex Bau`s Tourtagebuch > Heute: Interessenvertretung mal anders

Alex Bau Techno DJ GermanyEin ganz besonderes Tourbook hast Du heute vor der Linse. Eines, das gleich fast alle zukünftigen Gigs ab 2013 betrifft. Denn die wird es nicht mehr geben, wenn alles so kommt wie es sich meine „Gewerkschaft“ vorstellt. Zumindest nicht in Deutschland. Denn ganz entgegen, oder vielleicht auch ganz getreu dem Vorgehen der großen Interessenvertretungsverbänden in der Nicht-Nightlife-Wirtschaft, geht es der GEMA nicht um meine Interessen oder denen meiner Musikerkollegen, sondern nur um ihre eigenen. So sehe ich das, und ich glaube auch viele andere. Aber wie komme ich drauf?

Das Ganze ist eigentlich ganz einfach: Aufgabe der GEMA ist es, die Rechte der Künstler zu vertreten. Das drückt auch der Name des Vereins (soll keine ironische Anspielung sein, die GEMA ist rechtlich gesehen wirklich ein Verein) aus: Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte.

Das funktioniert immer weniger gut, vor allem angesichts der immer stärker werdenden digitalen Welt, in denen handfeste Musik im Sinne von „mechanisch vervielfältigten“ Tonträgern eine immer unbedeutendere Rolle spielt. Dafür kann die GEMA zunächst erstmal nichts, denn schließlich ist ja derjenige der Wichser, der sich Musik ohne Bezahlung aus dem Netz zieht, und dann am Ende sogar noch gegen Bezahlung auflegt (zu Euch später, ihr Maden…) und nicht die Gesellschaft, die das zu unterbinden versucht – wenn auch leider ziemlich erfolglos. Aber darum geht es mir hier erstmal nicht, ich weine mich dann heute Abend, wenn ich das hier fertig getippt habe, wieder in den Schlaf nachdem ich meine Musik auf irgendwelchen russischen oder kongolesischen Servern gefunden habe.

Mir geht es heute um den ersten Teil des Vereinsnamens, und der betrifft auch Dich! Die GEMA ist auch für die Verwertungsrechte an musikalischen Aufführungen verantwortlich und berechtigt Gebühren zu verlangen. Und das betrifft jetzt nicht nur Radio- oder Fernsehsendungen, nein, für unsere Musik vor allem Veranstaltungen auf denen Musik gespielt wird, die vom jeweiligen produzierenden Künstler bei der GEMA angemeldet wurden, und somit „gemapflichtig“ ist.

Um es mal abzukürzen: Du zahlst bei Deinem Club- oder Festivalbesuch also nicht nur die Location, die Türsteher, die Plakate und Flyer, die Anzeigen im Netz, die Anzeige hier im Partysan und die DJs sowie deren Flüge und Abholer vom Flughafen oder leergesoffene Minibarkühlschränke und Flaschen Champagner hinter dem DJ-Pult, nein Du zahlst auch Gebühren an die GEMA. Denn diese muß der Veranstalter an die GEMA abführen. Egal, ob jetzt Musik läuft die bei der GEMA angemeldet wurde, oder auch nicht. Und gerade im House- oder Technobereich gibt es ne Menge Musik, die gar nicht zum sogenannten „Repertoire“ der GEMA gehört, einfach weil die Künstler, dieden Track gemacht haben (noch) nicht Mitglied bei der GEMA sind. <strong>Egal, gezahlt werden muß trotzdem.</strong>
<p style="font-size: 12px; color: #99cc00;"><em><strong>"Also holt man sich den fehlenden Teil aus Bereich A einfach aus „Profitcenter B“, und verlangt einfach höhere Gebühren für die Veranstaltungen"</strong></em></p>
Hört sich jetzt alles noch ganz harmlos an, ist es aber nicht!
Denn die GEMA hat sich mal wieder etwas einfallen lassen um auf ihren Schnitt zu kommen, der angesichts der immer weiter sinkenden Herstellmengen von physikalischen Tonträgern wie Schallplatten, CD
s oder DVD`s immer kleiner wird. Also holt man sich den fehlenden Teil aus Bereich A einfach aus „Profitcenter B“, und verlangt einfach höhere Gebühren für die Veranstaltungen, auf denen Musik gespielt wird. So hat die GEMA also neben weiteren echt hahnebüchenen Ideen wie z.B. die Einführung von Gebühren für Kindergärten (denn da wird ja auch bei der GEMA gelistetes Liedgut gesungen) auch eine Tarifreform für den Veranstaltungsbereich angekündigt, und aufgrund ihrer Monopolstellung in Deutschland auch gute Karten diese Reform durchzukriegen.

Und das geht mir auf den Sack!
In meinen Augen sollte die GEMA nicht Veranstalter mit Gebührensteigerungen weit jenseits der 100%, teilweise sogar 400-800%, belegen. Denn während der ein oder andere Großveranstalter mit so etwas noch umgehen kann wird es vor allem (mal wieder) die kleinen Keimzellen der Musikkultur treffen, wo Nischenmusik läuft, die nicht von den so tollen „Blackboxes“, mit denen die GEMA glaubt realitätsgetreue Playlists in den Diskotheken generieren zu können, erkannt wird. Haha, ich möchte mal die Auswertung so einer Blackbox sehen, wenn ne Stunde lang nur Minimal gelaufen ist: nur 808 Kickdrums, Hihats und ein paar Bleeps und Blips.

“Danke an die GEMA, die eigentlich meine Interessen fördern sollte, daß sie meine Karriere komplett kaputt macht”

Denn Fakt ist, Gebühren werden berechnet, nur werden diese dann eben nicht an Leute ausgeschüttet, die „unsere“ Musik produzieren, sondern ein David Guetta verdient so an Musik mit, die ihm eigentlich so egal ist wie wenn in Peking ein Sack Reis umfällt.

Fakt ist, höhere Gebühren werden zu weniger Veranstaltungen führen, einfach weil sich Du und deine Kumpels oder Veranstalter, die zu Clubs gehen um dort ihre Party zu schmeißen, sich diese Gebühren einfach nicht mehr leisten können oder Tickets so teuer werden würden, daß es sich keine Sau mehr leisten kann.

Das bedeutet weniger Umsatz und weniger Gagen, was wiederum bedeutet, daß es eine Heerschar von DJ`s und Livacts geben wird, die keine Gelegenheiten zu Auftritten bekommen einfach weil sie zu speziell sind und zu innovativ um auf Großevents für die breite Masse zu spielen. Die kleinen, geilen, abgefahrenen Events werden sterben, weil sie nur überleben könnten, wenn die Eintrittspreise in einem für die Besucher nachvollziehbaren Verhältnis zum gebotenen Programm stehen würden.

Danke an die GEMA, die eigentlich meine Interessen fördern sollte, daß sie meine Karriere komplett kaputt macht, denn von den paar Kröten, die ich durch Plattenverkäufe noch verdiene kann ich mir meinen neuen 911er nicht mehr alle zwei Jahre leisten 🙂 Das war jetzt ein Spaß, für alle Hosentaschenlacher unter Euch…

Ich denke die GEMA sollte ihre zweifellos vorhandene kreative Energie mal lieber darauf verwenden Großkonzernen wie Google / Youtube mal endlich Geld aus ihren milliardenschweren Werbeeinnahmen aus der Tasche ziehen, und an die Künstler 1:1 ausschütten, deren Musik in unzähligen Videos zu hören ist, und die als Content in dieser Quantität überhaupt erst solche massiven Einnahmen ermöglichen, die nur eine technische Plattform zur Verfügung stellen, die sich dann mit Inhalten anderer schmückt, die aber vom Kuchen offenbar nichts abgeben will.

“So würden endlich mal die Bastarde abgestraft, die Musik rippen und sich am Ende dann auch noch mit Deinem Eintrittsgeld bezahlen lassen.”

Oder, noch geilere Idee: Liebe GEMA, stellt doch mal für 3 Monate befristet 1.000 Jura-Studenten für ein Praktikum im Bereich „Durchsetzung des Urheberrechts“ ein. Die kriegen dann nach einer kurzen Schulung einen Ausweis und den Auftrag jedes Wochenende mindestens 4 Veranstaltungen zu besuchen, und jedem DJ, der dort mit selbstgebrannten CD`s oder Laptop auflegt, ein Formular auszuhändigen, das er innerhalb von 4 Wochen an die GEMA zurücksenden muß, und das neben persönlichen Angaben vor allem Nachweise beinhaltet wo er seine gespielte Musik käuflich erworben hat oder von wem er nachweislich bemustert wird.

Wenn er das nicht kann: Zack, Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung und gleich noch einen Hinweis ans Finanzamt, daß seine Einkommensteuererklärung mal überprüft werden soll ob denn seine Einnahmen aus dem Djing auch alle auftauchen. So würden endlich mal die Bastarde abgestraft, die Musik rippen und sich am Ende dann auch noch mit Deinem Eintrittsgeld bezahlen lassen.

Einfach mal informieren, und dann mithelfen unsere Musikkultur und den Club nebenan in deiner Stadt zu retten: http://www.tarifabzocke.de/

2 Responses

  1. Jordan

    Du hast die Problematik wirklich gut verständlich beschrieben und auf den Punkt gebracht ! Sehr guter Artikel !!!

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