Agaric über Malmö, Berlin, Zigarren und die Techno Kochschule

Einen langen Weg hat Patrik Skog alias Agaric bereits zurückgelegt, sowohl von zu Hause weg als auch in jedem Fall musikalisch.

 

Während ihn die älteren Semester noch sehr gern mit hartem Technosound auf Drumcode in Verbindung bringen, wurde er irgendwann mit einer ganz eigenen Version minimaler elektronischer Musik bekannt, die nicht mehr ganz so hart, aber dafür mit einigen dreckigen Bassgrooves aufwarten konnte.

Daraus entwickelte sich das 10“-Label „We are“, welches nicht zuletzt durch seine bunten Vinyls ins Auge fiel. Und nun, nach einigen Platten und Remixen auf vielerlei bekannten Labels ist endlich die größte anzunehmende Konsequenz eingetreten: Agaric veröffentlicht sein erstes eigenes Album.

„Die Idee, ein Album zu machen, ist schon sehr alt. Ich stellte es immer wieder zurück, da ich dachte, es wäre zu viel Arbeit und ich würde nie genug Zeit haben, alles in einem zu machen. Ich wollte nicht einfach nur ein paar Stücke zusammenstellen und sehen, wie sie passen.

Ich wollte unbedingt alles auf einmal hinbekommen, um einen bestimmten Vibe zu erzeugen. Aber es war einfacher als gedacht und macht vielleicht mehr Sinn als manch kurzes Release. Ich war jedenfalls sehr überrascht.“

Agaric, was übrigens ein Anagram aus „a cigar“ ist, berichtet von einer wunderbaren Zusammenarbeit mit dem Label, die die restlichen Handschläge an seinem Album sehr leicht von der Hand gehen ließen: „Ich war kurz vor Fertigstellung und so fragte ich ein paar Labels, die ich mag. Josh Wink und sein Labelmanager mochten meine Musik von Anfang an und so war ich sehr glücklich, dass „Who made up the rules“ nun auf Ovum erschien.”

Das Album ist ein Zeitzeuge.
Altbekannte Töne aus dem agarischen Universum vermischen sich nach und nach mit neuen Räumen, Stimmen und dem immerwährenden Verlangen, sich zu bewegen.

Agaric Ovum

Die Musik ist stets im Fluss, einzelne Elemente geben immer einen kleinen Kick, um den Hörer aus der Reserve zu locken. Teilweise hört man eher den Technoeinfluss, wenig später ist es wieder eine Houseclap, die für ein fröhliches Vorankommen sorgt. Trotz des eingelassenen Funks behält sich Agaric eine reife Ernsthaftigkeit vor, die eindeutig nach Wohlfühlen in der großen Stadt klingt.

Die große Stadt ist Berlin.
Zwischen Mitte und Neukölln liegt das Lebensumfeld vieler Künstler der elektronischen Musik.

Auch Patrik ist vor einigen Jahren von Malmo nach Kreuzberg gezogen und fühlt sich in dem zentralen Stadtteil mit dem gewissen Etwas an Kultur äußerst zu Hause: „Ich kenne eine Menge Schweden, die mein Deutsch schrecklich finden. Aber es muß sein, um in Gesellschaft zu kommen.“

Nein, er vermisst seine Heimat nur selten, da die meißten Leute, mit denen er arbeitet, ebenfalls in Berlin leben: „Außerdem ist hier ein stäündiger Fluß an Wochenendbesuchern, so dass keine Zeit bleibt, an Malmo zu denken.“

Er plant nicht so schnell, wieder zurückzugehen. Und so verbringt Agaric seine Zeit, um die vielfältigen Kulturen Berlins zu entdecken. Er ist sehr an internationaler Küche, vor allem an italienischer und japanischen interessiert und möchte mehr darüber lernen: „Aber ich denke, ich habe nicht genug Zeit, um neben der Musik noch in eine Kochschule zu gehen. Wenn du dich auf musikalische Projekte wirklich konzentrieren willst, dann kann dies leicht 100% von deiner Zeit einnehmen.“

So arbeitet Skog bereits an einer neuen Koproduktion mit Walker Barnard für das Dumb-Unit Label, woraus sich in diesem Jahr auch noch ein paar gemeinsame Auftritte ergeben werden.

Aber ab und an braucht auch ein Vollblutmusiker Abstand von seinen eigenen Werken: „Es ist nur natürlich, dass man auch mal Rock oder experimentelle Musik hört, um runterzukommen oder an etwas zu arbeiten. Ich mag auch gern Labels wie Southern Lord, Subpop oder Deonvali.“

Final statement? „Keep your chins up and try to survive until spring, it’s coming soon and it will be amazing!“

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