Auf ihrer gemeinsamen SALT WATER EP veranstalten Ackermann & Erlenbrunn deepen Soundwahnsinn – quasi malen nach Tönen. Flüssige Tropfensynths, möwenartige Arpeggios, Pad-Sounds wie Wellenrauschen und ein glasklares Sounddesign, das tief ins blaue blicken lässt. Ackermann ist derzeit auch durch seine Zusammenarbeit mit Martin Eyerer bekannt, während Erlenbrunn auch hinter dem Label Twin Town steht.

Wir haben mit den beiden Herren aus dem Süden Deutschlands gesprochen. Uns über ihre neue EP unterhalten, welche direkt in die Beatport Charts geschossen ist und uns über Sound und die Welt unterhalten.

Ihr habt gerade  eine neue und gemeinsam erste EP released. Wie seid Ihr an die Produktion gegangen?

Ackermann: Na, der Erlenbrunn kam 2013 im Sommer für paar Tage in mein Kellerstudio in der Innenstadt und irgendwie haben wir, weil wir stattdessen gerne im Urlaub bzw. am Meer gewesen wären, ne Platte gemacht die sich nach Urlaub und Meer anhört.
Das war aber ne bewusste Entscheidung, die wir auch spontan artikuliert haben als wir grade anfangen wollten.

Erlenbrunn: Jap aber man muss noch ergänzen das die ersten Skizzen die ich dazu beigetragen konnte im Frühjahr in Peru entstanden sind, auf einem kleinen Mac Book und einem Akai Mini Keyboard. Mit Ackermann im Studio zu sitzen ist dann noch mal ne ganz eigene Expedition, weil der das nochmal mit anderen Erfahrungen und seiner hervorragenden Technik pimpt. Wir können wirklich zufrieden mit dem Ergebnis sein.

Ackermann (2)_webIst die Arbeit im Studio für euch mittlerweile eine klare Routine mit festen Abläufen oder entstehen Tracks wie Salt Water auf unterschiedliche Weise?

Ackermann: Leider gar nicht routiniert haha…alles sehr sehr tagesform und Flow-abhängig. Manchmal mach ich nen Track an nem Nachmittag, manchmal bekomm ich 2 Monate nichts gutes gebacken. Wie alles im Leben und der Musik ist auch die Kreativität ne Welle die mal im Peak steht und dann wieder mal ganz unten ist.

Erlenbrunn: Jetzt muss ich schmunzeln, ich kenn echt keinen, der so am hart am Hustlen ist wie der Ackermann, ich komm mir da eher wie ein junger Padawan vor. Was unsere Arbeit auszeichnet ist, dass ich meistens schon drei oder vier Spurideen habe die man im Kern der Sache nicht mehr groß ändern kann, das ist dann der sweete, verfrickelte und verspielte Part, die Deepness der Druck kommt aus Stuttgart, harte Stadt, hartes Leben eben.

Von Hardware bis PlugIn – Auf welche Tools im Studio wollt  Ihr definitiv nicht verzichten?

Ackermann: Bei den Plug-ins alles von UAD im speziellen Manley Massive Passive EQ, Ampex Tape, SSL Comp, sonst benutz ich noch gerne den Diva-Synth von U-He und Effekte von Sugar Bytes. Hardware hab ich gar nicht viel, aber Dynaudio Monitore würd ich nicht  mehr missen wollen oder meinen Dave Smith Mopho oder Moog Little Phatty.

erlenbrunnErlenbrunn: Haha, das wollt ihr gar nicht wissen, ich bin wirklich miserabel ausgestattet und bekomm da auch regelmässig Schellen für die Bugs die meine Hard- und Software hat. Ich arbeite am liebsten mit Logic9, Scarlett Interfaces, KRK Rocket6, einem Mikrofon, ich sample gerne aus der Umgebung Geräusche und kenn eine Menge fähiger Musiker, die mir gerne was auf die Entwürfe einspielen.
Ich feier die Sugar Bytes Schmiede, dann Albino3, Minimoog, Korg, Jupiter Arp, aber das sind alles Hybride keine Hardware.

Der Sound ist stark von organischen und warmen Einflüssen durchzogen. Spiegelt das auch euren persönlichen Geschmack wieder?

Ackermann: Bei House und Techno auf jeden Fall. Ohne analoge Wärme hat das keine Seele und mit digitalem tooligen Tech-House oder Minimal kann ich gar nichts anfangen, da ist mir nicht nur zu wenig Musik drin, sondern auch zu wenig Soul in den Sounds an sich.
Bei Electro kanns mir dagegen nicht digital und hart genug sein, da will ich ne Wand mit allen Mitteln haben, kein so poppiges Hands-up Trance-EDM oder Pseudo Saxophon und Zupfgitarre Electro-House. Electro muss gemeine Drum & Bass Bässe haben sonst kann ich mir das nicht antun. Bei Gitarrenmusik ist das ähnlich, ich will Slayer, Morbid Angel, The Refused oder prolligen New York Hardcore haha
Aber ich hör daheim auch viel Jazz und Funk, ich glaube Musik muss mir einfach ein Gefühl vermitteln und das schafft House und Techno nur mit Wärme und harte Musik nur durch unpolierte Aggression.

Erlenbrunn: Wahre Worte 😉

Glaubt ihr, dass es bestimmter technischer Vorrausetzungen bedarf, um einen persönlichen Sound zu kreieren?

Ackermann: Ja, leider. Nicht unbedingt teure Technik an sich, sondern eher Erfahrung was wie klingen muss auf den eigenen Monitoren damit das im Club auch wie gewollt klingt. Das ist viel Try & Error aber auch technische Erfahrung dabei, die erst wachsen muss und natürlich dann auch immer mehr Equipment, das diesen wachsenden Anspruch auch wiedergeben kann. Ich wollte schon lange Sachen machen die so klingen wie jetzt aber es hat lange gedauert bis es auf dem Level war und man ist nie am Ziel, besser geht immer. Solange man sich aber dessen bewusst ist und trotzdem nicht frustriert aufgibt, wird man auch immer besser.

Erlenbrunn: Das ist schon wichtig die digitale und die analoge Welt miteinander zu verschmelzen, sonst würden wir ja keine „zeitgemäße“ elektronische Musik veröffentlichen, das lebt von den Gegensätzen. Im Mittelpunkt steht da erst mal die Kreativität, aber wenn dieser Prozess abgeschlossen ist und das ganze aufpoliert wird, ist viel digitale Technik von Nöten, die digitale Revolution hat es uns kleinen erst möglich gemacht mit auf den Zug aufzuspringen. Früher in den 70igern, hast du ein Familienhaus für einen analogen Synth hingeblättert, heute bist du mit nem PC schon am Start, das ist schon krass, dass der Zugang für alle geschaffen wurde und das es nichts privilegiertes mehr ist sich als Produzent zu versuchen. Du kannst mit echt wenig Stuff richtig gut werden.
 
Du (Ackermann) bist auch viel mit Martin Eyerer im Studio – welche Einflüsse hast du das für Dich erfahren?

Ackermann: Ich glaube Martin hat mir als erstes wirklich das „Weniger ist mehr“-Prinzip im Studio anschaulich demonstriert, ich hab jahrelang dazu tendiert immer noch mehr in Tracks reinzupacken und war dann erstaunt wie schnell er die „das reicht jetzt an Elementen“-Reißleine ziehen kann und wie gut das dann funktioniert und mir im Endeffekt auch nichts fehlt.
Das „weniger ist mehr“-Ding ist natürlich auch nicht unbedingt auf Sounds und Elemente beschränkt, sondern gilt auch fürs Arrangement. In anderen Genres war das für mich davor nicht wirklich wichtig und ich bin auch ohne diesen Ansatz gut gefahren aber bei House und Techno ist das essentiell wie ich schnell gelernt hab und natürlich immer noch lerne, weil das Genres sind, die mich erst seit wenigen Jahren wirklich interessieren und mich nicht wie bei Martin schon mein ganzes Leben beschäftigen.

Wo liegen eure musikalischen Wurzeln?

Ackermann: Früher hab ich gleichzeitig Drum & Bass und instrumental Hip Hop produziert, Sitar in ner Jazz Band und Gitarre in einer Trash-Metal Band gespielt. Wirklich schwer zu sagen…wahrscheinlich liegen die Wurzeln in der Plattensammlung meiner Eltern.

Erlenbrunn: Bei mir ging das im Jahr 1996 los und da habe ich mich wirklich in den Subgenren des Technokosmos bewegt, irgendwo zwischen Night Force Rec., Metalheadz und Clubtools.
Wir hatten in Saarbrücken auch einen Hard Wax Ableger und Roger23, Prosumer & Henner waren so die ersten die mich auf diesen Weg begleitet haben, als ich noch klein war, später ist dann das Humpty Saarbrücken mit Matthias Wagner & Lana del Tigre dazukommen und das Rex Rotari für die Alternativen Sachen. Wir haben in Saarbrücken eine außergewöhnliche Musikkultur und ohne diese Läden & Menschen, hätte ich mich niemals musikalisch so entwickeln können, dafür bin ich sehr dankbar.

Seid ihr  generell ein Crate Digger, die sich stundenlang mit Tracksuche beschäftigen oder geht es viel über zugeschickte Promo?

Ackermann: Ja, ich höre mir jeden Morgen als Routine ne halbe Stunde Neuerscheinungen in mehreren Genres durch wie andere morgens ihre Zeitung lesen…insgesamt würde sagen ungefähr 40% Promos, 60% reguläre Releases.

Erlenbrunn: Das ist durch die Labelarbeit & das Auflegen schon ein ganz alltäglicher Prozess geworden, mir geht es da ähnlich wie Ackermann.

Ihr wohnt nicht in derselben Stadt – wie arbeitet ihr über Distanz zusammen?

Ackermann: Nur wenn er hier herkommt 🙂
Erlenbrunn: …so siehts aus 🙂

Wie sieht eure Roadmap für das restliche Jahr aus ?

Ackermann: Endlich ne Ackermann Solo-EP fertig machen! Ich mag Collabos und den sozialen Faktor im Studio eigentlich schon viel zu gerne, weil man sich die Bälle zuspielen kann und schnell voran kommt, anstatt sich alleine stundenlang in nem einzelnen Sound zu verrennen. Deswegen hab ich zum Beispiel schon 3 fertige neue Collab-EPs mit Martin auf Halde aber leider immer noch keine Solo-Ep fertig mit der ich 100% zufrieden bin, nur jede Menge Ausschuss der wahrscheinlich nie meine Festplatte verlassen wird.

Erlenbrunn:  Ohh, ich mach gerade viele Remixe, denen kann man noch mal so einen ganz eigenen Schliff geben, das ist für 2015 erst mal mein Steckenpferd. Hier mal ein Auszug der nächsten. V.Ö.’s:
– “Techno Frühstück” – “Fields of Blossoms – The Remixes” (Release 18.09.2015)
– “No Accident in Paradise” – “Asymetria Remiksy II“ (Freude am Tanzen / Herbst)
– “Techno Frühstück”  – “Raining for Ages” (Release 22.10.2015)
– “Marian Müller & Erlenbrunn“ – Magnetic Love – 50th release of Traktor Records (Winter)

About The Author

Martin liebt drückende Bässe, die nicht nur den Magen berühren sondern auch den Geist zum Tanzen bringen. Dreckige Clubs stehen generell oben auf der Liste, während der Hochglanzladen mit Glastheke eher unbesucht bleibt. Immer auf der Suche nach dem neusten Beat, dem frischen Groove und dem mitreißenden Sound schreibt Martin seit Jahren für unterschiedliche Musikmagazine und Blogs ohne dem großen Hype hinterherzulaufen.

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