Seit 20 Jahren bereichert Cocoon das elektronische Nightlife mit innovativen Ideen, vielfältigen Releases und vor allem intensiven Partys. Als Antreiber hinter den Projekten steht nicht nur Sven Väth, sondern immer auch langjährige Wegbegleiter der ersten Stunden, wie Frank Lorber. Er hat uns im Interview einen Blick in sein persönliches Cocoon-Tagebuch werfen lassen.

Ende April 1996 war es soweit: Sven Väth betrat das Nightlife zum ersten Mal mit einer Cocoon-Party und Frank Lorber war damals schon als Gast mit dabei:

„Wir hatten an dem Abend eine Party im Omen, bei der ich aufgelegt habe und mich um den Gastact gekümmert habe. Trotzdem bin ich zwischendurch immer mal wieder für ein paar Stunden auf die Hanauer Landstraße rausgefahren, um mir das Spektakel anzuschauen. Das Konzept war für Frankfurt total neu und abgefahren und so in der Art noch nicht dagewesen. Sven hat dabei seine Visionen spielen lassen und zum Beispiel Tänzer in die Show eingebaut, die an Seilen von der Decke kamen und extra Getränkebecher mit dem aufgedruckten Cocoonlogo produzieren lassen. Alles war ins Detail durchdacht und die Location wahnsinnig schön hergerichtet, aber leider war Sven seiner Zeit da mal wieder ein Stück voraus und das Event finanziell kein Erfolg.“

Sven Väth der DJ-Lehrmeister

Die Cocoon-Party am 30. April 1996 war für Frank Lorber aber keineswegs die erste Begegnung mit Sven Väth und seinen Ideen, da die beiden 1996 schon seit einigen Jahren zusammen gearbeitet haben:

„Sven war derjenige, der mich damals ins Omen geholt hat. Ich habe als Schüler nebenher im Delirium Platten verkauft und hatte da die Aufgabe die Fächer der Stamm-DJs mit den passenden Platten zu bestücken. Dann hatten wir eine Party zum Fünfjährigen vom Delirium im Omen, bei der jeder von uns Mitarbeitern eine Stunde auflegen konnte. Mein Set hat der Geschäftsführung vom Omen gut gefallen und dann kam relativ schnell das Angebot, dass ich gemeinsam mit Sven den Freitag gestalten kann, was ich natürlich sofort angenommen habe. Nach ein paar Jahren wurde dann der Samstag  mit DJ Dag neu konzipiert und ich auch da mit ins Boot genommen. In der Zeit habe ich dann fast jeden Freitag und Samstag im Omen gespielt, was wie eine DJ-Lehre für mich war. Von 1993 bis 1998 habe ich dort alle Stationen als DJ kennengelernt und an manchen Abenden das Warm Up gespielt, manchmal den Schluss und manchmal auch die ganze Nacht.“

Aus Harthouse und Eye Q wird Cocoon

Anfang der 90er Jahre ging Sven Väth mit seinen Labels Harthouse und Eye Q Records ins Rennen, die den damals boomenden Trancesound voran trieben und auch viele spannende Technoreleases veröffentlichten. Hardfloor, Energy 52, Justin Berkovi und Alter Ego sind nur ein paar der großen Namen, die ihre Platten über die Labels auf den Markt brachten. Nach einem schnellen Aufstieg und sehr erfolgreichen Jahren kam 1997 dann leider auch ziemlich schnell der Verkauf der beiden Marken, was den Weg für Cocoon geebnet hat:

Cocoon Ibiza Frank Lorber„Nach dem Ende von Harthouse und Eye Q war es für Sven mal wieder Zeit für einen Neuanfang und neue Projekte. Er rief mich damals an und erzählte mir, dass er gemeinsam mit Talida Wegener eine kleine Bookingagentur, das Sven Väth Office, ins Leben gerufen hat und sie mich gerne mit dabei hätten. Irgendwann wurde es dann in Cocoon umbenannt und ich habe direkt bei den ersten Partys aufgelegt. Als das Omen zugemacht hat, haben wir unsere Cocoonpartys immer freitags im U60311 gemacht und da war ich auch regelmäßig dabei. Im Sommer 2000 ging es mit Cocoon dann auch auf Ibiza los, wo ich in den ersten 10 Seasons immer 3 bis 4 Mal aufgelegt habe. Ebenfalls im Jahr 2000 kam das erste Release auf Cocoon Recordings raus, was Svens nächstes großes Projekt werden sollte. Eigentlich war das Label nur für Compilations und Artistalben gedacht und mein Album „Jailhouse Rocker“ als zweites nach der Premiere von Jacek Sienkiewicz an der Reihe. Da das Album dann sehr erfolgreich anlief und sich super verkaufte, entschieden wir uns dazu, eine Single auszukoppeln.

Während der Produktionsphase zum Album gab es einen kleinen, im Nachhinein sehr lustigen, Zwischenfall, Ich war 2001 mit Sven zusammen auf der Vision in der Schweiz und wir haben danach gesagt, dass das auf jeden Fall die beste Technoparty der Welt ist. Im kommenden Jahr habe ich dort nicht gespielt und wollte gar nicht hin, aber Sven hat mich natürlich überredet, dass ich doch noch nachkomme. An dem Tag habe ich auf einem anderen Festival in Deutschland aufgelegt und bin danach über den Grenzübergang Schaffhausen in die Schweiz gefahren. Die Grenzbeamten haben mich dort dann direkt aus dem Auto gezogen und festgenommen. Es würde gegen mich ein Verkehrsdelikt vorliegen und da leider Freitagabend war und die Schweizer Behörden am Wochenende nicht arbeiten, haben sie mich bis Montag festgehalten. Am Montagmittag wurde ich dann mit Handschellen dem Bezirksstaatsanwalt vorgeführt, der mir verkündete, dass ich vor einem Jahr mit 20 km/h zu schnell geblitzt geworden bin und noch ein Busgeld offen sei. Zu der Zeit war ich gerade in der Endphase meiner Albumproduktion und war noch auf der Suche nach einem Namen. Da kam mir diese Story natürlich genau recht und der Name war klar!“

Frank Lorber - Jailhouse Rocker

Cocoon-Botschafter weltweit

Ganz so wild wie in den 2000ern geht es heute bei Frank und Cocoon nicht mehr zur Sache, dafür ist sein Output an Tonträgern vor allem auf Cocoon Recordings riesig. 2005 gab es die „In The Mix“-CD, 2010 eine Platte seines Projekts Tres und 2011 und 2013 jeweils ein gemeinsames Release mit Sante. Neben den Gigs und Veröffentlichungen ist Frank Lorber auch als Botschafter für Cocoon in der ganzen Welt unterwegs. Auf Formentera ist er zum Beispiel jedes Jahr bei den Partys im tipic Club am Start, die auf Ibizas Nachbarinsel als kleiner Ableger der Amnesia-Nächte veranstaltet werden und in der Domenikanischen Republik ist Frank einer der Gründe, dass dort zu Techno gefeiert wird.

Cocoon Frank Lorber„Ich habe eine lange Verbindung zur Domenikanischen Republik, da ich so um 2000 einer der ersten internationalen DJs war die dort gebucht waren und 2008 habe ich dann angefangen dort Cocoon Partys zu veranstalten. Ein Freund von mir hat dort ein Restaurant direkt am Strand, in dem wir 2 mal pro Jahr unsere Events gemacht haben zu denen ich dann befreundete Acts wie Sven, Ricardo Villalobos, Toni Rios und Tobi Neumann dorthin eingeladen. Seit drei Jahren gibt es leider einen neuen Präsidenten in der Domenikanischen Republik, durch den sich einige Gesetze geändert haben und auch die Gäste der umliegenden Hotels haben sich immer mehr über unsere Partys beschwert. Deswegen mussten wir dann weg vom Strand und sind in die Hauptstadt Santa Domingo umgezogen.“

Lieber Frank, vielen Dank für diesen ganz persönlichen Einblick in deine letzten 20 Jahre mit Cocoon! Wir sind gespannt, welche Projekte du als nächstes startest, wünschen dir viel Erfolg bei deiner neuen Residency in Tokio und sehen dich im Sommer auf Ibiza!

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