“use your ears as eyes.” Das ist leichter getan als gesagt, zumindest in der “Yellow Lounge“.

Man braucht hier wirklich kaum etwas außer dem richtigen Verhältnis von geöffneten Ohren zu geschlossenen Augen, um auf seine Kosten zu kommen.

Doch selbst nebenbei hingehört und mit Schlafzimmerblick wird man dabei Spaß haben, die Seele baumeln lassen und die Neugier befriedigen können.

Der erfolgreichste Klassikclub und die angesehenste Samplerserie unserer Zeit gehen alles was klassische Musik ist völlig undogmatisch und entspannt an. Eben nicht andächtig in heiligen Konzerthallen, sondern cool im Club.

Regelmäßig im “Cookies” in Berlin und immer öfter auch in Leipzig, Dresden und Hamburg.

DJs wie der “Resident” David Canisius, nebenbei auch Geiger im Deutschen Kammerorchester, oder Rupert Huber von den Beatbastlern Tosca aus Wien und sogar der Londoner Organoelektroniker Matthew Herbert mixen und cutten sich in voller Lautstärke und über ein eigens eingestelltes Soundsystem quer durch die klassische Musikgeschichte.

Am Höhepunkt des Abends tritt ein Live-Act auf: Inmitten des faszinierten und begeisterten Publikums, unverstärkt und so direkt wie noch nie, spielen dann Superstars wie Anna Gourari oder Yundi Li oder Mischa Maisky oder Hélène Grimaud oder Andreas Scholl oder Anne Sofie von Otter. Auch Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, erfuhr am eigenen Leib, wie schön und anders und gut diese ungewohnte Nähe zu einem völlig neuen, vorurteilsfreien und damit offenen Publikum ist.

“Eine überzeugende Idee”, befand er. “Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt…”

Wie gut das Konzept aufgeht, zeigen allerdings nicht nur die einhellig enthusiastischen Reaktionen der aktiven Teilnehmer, des Publikums und der Presse.

Allein die Besucherzahlen der monatlichen “Yellow Lounge” im “Cookies” von durchschnittlich 700, von denen die meisten schon eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn eine aufgeregte Schlange bilden- und das werktagsabends in Berlin-Mitte – sprechen für sich.

Was schon im Club, parallel zu Party und Palaver, funktioniert, klingt in den heimischen vier Wänden sogar fast noch besser.

Auf dem Sofa und unter dem Kopfhörer mindestens genau so gut, wie auf dem Balkon zu zweit oder beim Abendessen zu zwölft. Zum dritten Mal erscheint deshalb jetzt ein “Yellow Lounge”-Mix auf CD. Dabei wird zwar gemischt und zerschnipselt, was das Zeug hält.

Aber immer achtet David Canisius darauf, dass das, was er da verarbeitet, seinem hohen Anspruch ans Repertoire gerecht wird. So finden sich auf diesem neuen Mix, in ungeahnt trauter Eintracht, Kompositionen von Ravel und Poulenc, Bach und Glass, Mussorgsky und Gorecki, Brahms und Reich. “Ich verändere die Stücke nicht unbedingt,” erklärt Canisius.

“Aber ich spiele beispielsweise nur ein Seitenthema von einem Komponisten und setzte dann vielleicht ein anderes Seitenthema aus einer anderen Epoche dran.

Von einem anderen Komponisten, der gar nichts mit dem vorhergehenden zu tun hat. Weil aber der Charakter dieser Stücke zueinander passt, entsteht so ein echter Flow. Im Club kommen die Leute oft und fragen:

“Was ist denn das?”

Manchmal waren es dann drei Sachen, die man aber als eine wahrnimmt.” Schließlich geht es hier aber nicht um Denksport oder gar musikalische Besserwisserei, sondern um einen ebenso neuen wie neugierigen, entspannten und aufregenden Musikgenuß.

Wer sich nicht fragt, was er hört, sondern sich freut, weil er es hört, ist bei der “Yellow Lounge” genau richtig. Die Voraussetzung dafür schafft sich so einfach wie erfinderisch: “use your ears as eyes.”

Wir haben euch die Serie bei Amazon mal rausgesucht:

Yellow Lounge Copilation @ AMAZON

Zu empfehlen ist allerdings auch die MONDÄN Serie; da ist in Tracklisting auch schon mal DJ KOZE zu finden:

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