Wunderbares Weichei: Moby – 18

Um es gleich einmal vorwegzunehmen: Moby ist wunderbar und das mit dem Weichei war ironisch gemeint. Tief in seinem Herzen ist Moby ein Rocker, das wissen wir spätestens seit dem Song When I reached for my revolver. Und trotzdem darf der sympatische Musiker weich sein – und keiner nimmt es ihm übel…

Moby heißt mit bürgerlichem Namen Richard Melville und verdankt den Spitznamen seinem Vorfahren Herman Melville, der das Buch Moby Dick schrieb.

Als Musiker ist Moby nur schwer einzuordnen.
Er beherrscht alle Styles.
Er ist genial und unabhängig, hochintelektuell und engagiert.

Wo andere Musiker auf Klischees bauen, schafft Moby seinen eigenen Stil.
Wo andere hart sein müssen, darf er weich sein.
Wo andere cool sein müssen, ist Moby gefühlvoll.

Das er die gesamte Bandbreite musikalischen Könnens von ganz weich bis superhart bestens beherrscht, hat Moby in unzähligen Longplayern bewiesen. Animal Rights, Everything is wrong, Rare: The Collected B-Sides und das mit mehr als 8 Millionen verkauften Tonträgern supererfolgreiche Album Play, um nur einige zu nennen. Waren einige alte Moby-Tracks noch eher rockig angehaucht, so wurde es bei den Collected B-Sides schon eher sphärisch-abgefahren mit Feeling.

Mit Hits wie Why does my heart feel so bad oder Porcelain definierte Moby seinen eigenen gefühlvollen Electronic-Slow-Pop-Wave-Style und dieser kam auch noch großartig an. Eben erschien das lange erwartete neue Album und dabei bleibt er seinem eigenen Moby-Style treu.

18 klingt musikalisch wie eine Fortsetzungsgeschichte von Play, vielleicht etwas erwachsener.
Das Multitalent Moby hat diese Scheibe während der letzten 12 Monate in seinem New Yorker Studio aufgenommen und natürlich wieder alle Instrumente selbst eingespielt. Nur von den Vocal-Parts hat er ein wenig abgegeben. Sozusagen geteilt 🙂

Darum sind neben Moby selbst auch die Stimmen von Sinead OConnor, der griechischen Formation Azure Ray, MC Lyte und Angie Stone zu hören. 18 ist ein wunderbares Album, von einem genialen Musiker, immer ein wenig abwesend und verschlossen, ein klein wenig wie von einem anderen Stern.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum Moby sich auf dem Cover von 18 in einem Raumanzug mit Glashelm zeigt. Moby kann der Hype der Welt und speziell der der Musikwelt gestohlen bleiben.

Er zieht sein eigenes Ding durch und das ist gut so.
Hoffentlich macht er noch lange weiter damit und beschehrt uns noch viele Alben á la 18.

Wunderbares Weichei Moby 18 Mute (EMI)Wunderbares Weichei
Moby
18
Mute (EMI)

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