Swayzak - Argentina

Die Musik klingt irgendwie wie ganz selbstverständlich, keinesfalls overdressed. Dennoch spürt man die gewisse Coolness in jedem Geräusch, was wahrscheinlich jetzt, nachdem dieses Album bereits über 10 Jahre alt ist, noch tiefgründiger wirkt als zur ursprünglichen Veröffentlichung 1998 auf den Labels Pagan und Medcine Records.

Dabei ist es eh unglaublich, wie reif die Musik nach all dieser Zeit klingt. Das können viele Kollegen über ihre frühen Werke nicht behaupten.

„Nach 10 Jahren haben wir jetzt die Rechte an unserer Musik zurück und mögen diese noch immer.“ So ist es absolut nachvollziehbar, die 7 unendlichen Tracks noch einmal mit neuem Mastering zur Geltung kommen zu lassen, statt sie der Geschichte zu übergeben.

Unendlich waren die Stücke übrigens ursprünglich wirklich. Sie entstanden mit minimalstem Bedroom-Equipment in unzähligen Stunden des Mixens von Sounds und wurden teilweise über 30 Minuten lang. Das Schneiden in passende Portionen war sicherlich nicht die zeitsparendste Methode, ein ganzes Album zu erstellen.

„Die Musik damals hatte eine Menge Chancen, wurde aber leider unmodern.  Sie war aufregend, mutig und wir hatten viel Spaß. Es gibt aber noch immer erstaunliche neue Produktionen, die wir gern hören und genießen. Es geht immer weiter.“ Das tut es in der Tat bei Swayzak, die ihren Namen übrigens einer ignoranten Vorliebe für Ostblock-Staaten als provinzielle Vorort-Teenager in den 80er Jahren verdanken.

SnowboardingDer Wunsch nach Andersartigkeit ist noch immer omnipräsent und lässt James Taylor und David Brun aktuell an einem Konzept Album rund um öffentliche Verkehrsmittel basteln. „Die Musik wird in Straßenbahnen, Bussen, U-Bahnen, S-Bahnen, Luftkissenfahrzeugen und natürlich im TGV produziert. Geht aus Euren krebsartigen Studios in die nicht so reale Welt der menschlichen Bewegung!“
Manchmal produzieren die beiden lieber als in Clubs zu spielen, was aber nicht heißt, dass man es nicht ordentlich Krachen lässt: „Einmal haben wir mitten auf der Tanzfläche bis zur Reinigung am nächsten Tag geschlafen.“

Vielleicht sind die 2 Engländer aber doch ganz normale Mitmenschen, die im wirklichen Leben gar nicht auffallen? Normalerweise fahren sie Fahrrad, lieben alte Platten und gutes Essen, besuchen Französisch-Kurse oder sind einfach Familienvater: „Unser Alltag ist wie Sonntag!“.

Dies erklärt wohl auch die Campingliege auf der CD-Rückseite: „Ein komfortabler und psychedelischer Ort der Ruhe. Ein wenig wie die Musik – eine Schnappschuß unseres Rückzugsorts im Land der Blauen Seen.“
Es wird immer offenkundiger, dass die 7 Stücke des Albums wohl schlicht die Lebensauffassung der Macher selbst darstellen. Trotz Geschwindigkeit der rauen Beats, wird eine angenehm entspannte Atmosphäre verbreitet, in deren Bann sich nicht nur Fans verlieren. „Und dabei haben wir gar nicht versucht, zeitlos zu klingen. Wir waren unschuldig und voller Leidenschaft. Die Platte entstand egoistisch und ohne Vorgaben.“

Auf die Frage, ob es noch etwas gibt, was wir wissen sollten, antworteten sie: „Swayzak ist die Lieblingsband von Duran Duran!“

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