sven väths „The Sound of the Ninth Season“ ist eine musikalische reise durch das jahr 2008.

gleichzeitig ist es aber auch eine gelegenheit, einfach einmal alle aktivität für einen moment ruhen zu lassen und bei den hypnotischen grooves das vergangene jahr revue passieren zu lassen: was waren die besonderen momente? was hast du getan, das nicht zu irgendeinem zeitpunkt deines lebens vorhersehbar war? vielleicht eine reise, eine beziehung oder eine party?

vielleicht war es etwas, das jemand gesagt hat, ein witz oder ein war es ein lächeln, ein kuss – oder ein element eines tracks, zu dem du bei einer party getanzt hast? elektronische musik schafft es eher selten, das persönliche und das öffentliche zu verbinden: „the sound of the ninth season“ ist eine übersicht der clubmusik in 2008, aber es ist auch ein sehr persönliches statement.

es gibt momente, in denen jede der zellen deines körpers hervorbrechen möcht, es gibt aber auch stille und emotionale passagen. mit „the sound of the ninth season“ gibt sven väth seine ganz persönliche musikalische botschaft weiter an alle auf diesem planeten, die gewillt sind, dem aufregenden und faszinierenden am leben zu huldigen. genauso ist die cd aber auch eine sehr private erklärung dessen, was ihm in künstlerischer und sozialer hinsicht wichtig ist. sie ist zeugnis vom wesentlichen der clubmusik genauso wie ein statement von freundschaft, liebe und vertrautheit.

die beiden sets könnten verschiedener nicht sein. die erste cd „disco“ ist ein techno-hurrikan, der die energetischsten momente des jahres einfängt und damit die kraftvollste und unmittelbarste vision von 2008 ist, die man sich vorstellen kann. grundgedanke des sets ist ein track des eigenbrötlers der dance music aus vancouver: die „symphony for the apocalypse“ kombiniert eine stimmung der sehnsucht mit einer der aufgeschlossensten und ekstatischsten hooklines, die man sich vorstellen kann.

ein anderer sehr besonderer punkt in väths reise ist ein tribal-artiges stück von ahmet sisman, der akustische percussions zu einem voluminösen techno-groove bündelt. er verschmilzt förmlich mit einem der hintergründigsten und rätselhaftesten tracks, die in diesem jahr bei cocoon recordings erschienen sind: „subtellite“ von timo maas. als komplexe montage unzähliger texturen und flächen bildet er einfach eine überwältigende wall of sound. allerdings könnte der höhepunkt des sets auch ein anderer sehr spezieller track sein: „mismoplastico“ von virtualmismo, ursprünglich bereits 1992 veröffentlicht. durch dessen verbindung eines orgelsounds mit einer sirene ist die hookline wohl mit das überraschendste und verblüffendste, was nach einem smarten und eleganten track wie der von dubfire überhaupt passieren kann.

obwohl es bereits einige überwältigende clubhits gab, war 2008 nicht das jahr der explosiven peaktime-hymnen. es war mehr ein jahr feinsinniger, deeper house grooves und stiller feldforschung im bereich der texturen und landschaften elektronischer sounds. bezieht man diese entwicklungen mit ein, erscheint das zweite set als labyrinth aus feinen grooves und süßen fremden klängen. anthony collins lässt uns durch bruchstücke von entfernt klingenden stimmen driften, während kollektiv turmstrasses tiefe orchestrale arrangements fast ein wenig nach sakraler musik klingen.

sis verführt die crowd mit seinen suggestiven minimalgrooves – quenum packt mit seinen straighten perkussiven beats da schon etwas fester zu, sein griff löst sich aber bald danach im lupenrein-klassischen house-groove eines reboot auf. mit den tracks von sven tasnadi, pigon und microworld macht das set einen kurzen abstecher in den zeitgenössischen detroit techno und schließlich bringt uns prins thomas wieder zu dem wahnsinn zurück, mit dem alles zweieinhalb stunden vorher angefangen hatte.

house und techno sind grundlagen von sven väths musikalischer philosophie und der fragile unterschied zwischen diesen beiden hauptrichtungen der clubmusik bildet auch weiterhin den motor seiner sets. väths lebenslange reise durch die elektronische musik geht weiter und nimmt uns mit zu einem aufregenden exzess von empathie, wahnsinn und schönheit.

Sven Väth in the Mix
The Sound of the Ninth Season
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tracklisting cd
1 – disco
1. mathew jonson – symphony for the apocalypse
2. styro 2000 – liver donor (bang goes remix)

3. sasha – the mongoose
4. ahmet sisman – buiya

5. timo maas – subtellite

6. alex flatner – perfect circles

7. radio slave – grindhouse (dubfire terror planet remix)

8. virtualmismo – mismoplastico

9. smith & selway – total departure (cirez d remix)

10. väth vs flügel – trashbindance

tracklisting cd2 – invaders
1. anthony collins – reeves 

2. kollektiv turmstrasse – herz aus holz mix

3. sis – orgsa

4. johnny d – orbitalife

5. quenum – vault element

6. reboot – vandong

7. sven tasnadi – waiting for you again

8. pigon – promises
9. microworld – this is my friend (disco version)
10. robert babicz – dark flower (joris voorn magnolia mix) 

11. luke solomon – spirits (prins thomas disko-tek miks)

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