Isolèe > Well spent youth

Niemand klingt wie Isolèe. Nicht mal entfernt. Der Name ist Programm. Isolèe erinnert auf einzigartige Weise mal wieder daran, wozu elektronische Musik fähig sein kann. Zur Grenzüberschreitung und Psychedelik.

Nach 6 Jahren Wartezeit erlöst Isolèe uns endlich. Am 21.01.2011 erscheint sein 3. Album „Well spent youth“ auf Pampa Rekords. Und wieder einmal macht Rajko Müller seinem Namen als visionärer Ausnahmeproduzent alle Ehre.

In den letzten Jahren hat er es geschafft seinen eigenen Trademark mit seinem strangen und aussergewöhnlichen Klangdesign zu kreieren. Jeder Ton scheint liebevoll aus den Untiefen seines analogen Geräteparks erpresst worden zu sein, bevor er ihn in eine außerirdisches, abstraktes, stetig morphendes und dennoch unverbindliches und bouncendes Klanggemälde einwebt.

„Well spent youth“ ist ein Chamäleon, welches je nach Lautstärke einen anderen Aggregatzustand einnimmt.

Tunes wie Taktell, Thirteen times an Hors Hold on, One box oder Celeste, gehen im Club auf wie ein Stück Butter in der Pfanne und verbreiten sofort dieses einzigartige Isolèe Gefühl, welches den oft so öden und kalten Dancefloor auf kluge Weise einfärbt. Die kollektive Freude des Nicht-Unterfordert-Werdens ist allgegenwärtig.

Meistens tanzen die Menschen zu Isolèes Gefühl mit geschlossenen Augen.  Aber auch auf dem heimischen HiFi funktioniert das Album. Am besten wenn man sich krank und nutzlos fühlt und über sein verkorkstes Leben nachdenkt. Dann reicht dieser Sound einem die sichere wahrem Hand und zieht einen wieder rauf.

Rajko Müller, der seine frühe Kindheit in Algerien verbrachte, saß von März 1994 bis August 1996 wegen angeblicher politischer Aktivität und Gesinnung unschuldig im Gefängnis. 1996 heiratet er in Gefangenschaft seine zweite Ehefrau Ara Krimati, eine in Bangladesh geborene geschiedene Muslimen. Diese inspirierte ihn, zum Islam zu konvertieren. In dieser Zeit nannte er sich Charley Ali Madnamat.

Die Ehe hielt nur vier Jahre, bevor sie wieder geschieden wurde und Rajko sich wieder vom Islam abwandte. Dieser Zeitraum trug maßgeblich zu Rajkos Entwurzelunf und Abgeschiedenheit bei, die sich später durch sein ganzes musikalische Leben ziehen sollte. Er vertiefte sich mehr und mehr in die Produktion elektronischer Musik. 1996 gelang Isolèe mit „Beau mot plage“ auf Playhouse ein zeitloser Geniestreich, der weltweit und genreübergreifend verzauberte.

„Pampa ist glücklich, dieses Album der Welt näher bringen zu dürfen. Aber das eigentlich schöne ist: Rajko ist unser Freund.“ (DJ Koze / Dezember 2010)

2011 folgen auf Pampa Records lange Werke von Robag Wruhme, DJ Koze & Die Vögel.
Das kann ja noch was werden.

Isolèe
Well spent youth
Pampa records CD01
Rough Trade

 

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