Eine “WERKSCHAU BPitch Control´s.

Ein komplettes Leben schildern! Und das in Form von siebzehn Songs? Klingt nach einer schwierigen Aufgabe, geradezu nach einem Sisyphos-Projekt. Dies so darzustellen und abzuzeichnen wie empfunden, ist eine rollende Steinkugel, bergab, und findet sich im Ziel wieder von neuem, dort beginnend, wo sie jetzt ist.

BPitch Control hat es nun vollbracht: Zwölf Jahre turbulente Labelgeschichte vereint.

Reflektiert wird jedoch nicht Vergangenheit, als erinnerten alte Fotos an beste Zeiten. Nein. Es ist eher ein Statement – das sich im Jetzt wider spiegelt.

Es erinnert uns so, wie umfassend, vielschichtig, progressiv und emotional elektronische Musik sein kann. Es beweist, welches Potenzial und welche Entwicklungsmöglichkeiten in dem scheinbar so eng gestrickten Genre zu finden sind – sofern man den Mut dazu aufbringt, Schubladen geschlossen und neue Türen nicht verschlossen zu lassen. Es zeigt BPitch Control und seine Künstler in ihrer ganzen, eigenen Art, Metamorphose und Aktualität zu befehlen.

„Werkschau“ gehört keineswegs zu den herkömmlichen Best Of-Alben, wie sie einem bekannt sind: als eine Auskopplung alter und langer Bärte, deren erneute Auflage Dollarzeichen in den Augen von zigarrenrauchenden Universalchefs auffunkeln lässt. Ein derart reduziertes Konzept käme dem Anliegen niemals gerecht entgegen. Alle siebzehn Tracks sind ausnahmslos: unveröffentlichte Werke.

Von BPC-Mitstreitern der ersten Stunde bis hin zu gänzlich neuen Gesichtern und Co-Ops, die zur „Werkschau“ erstmalig ko-operierten. Es sind Künstler aus aller Welt geworden, die das Label füttern. Der so oft zitierte Berliner Sound ist bei BPitch nun zu einer mitunter globalen Angelegenheit heran gereift. Ebenso weit ist der stilistische Horizont der Werke, die sich zunächst nur eine Gemeinsamkeit teilen – sie sind allesamt außergewöhnlich:

Paul Kalkbrenner liefert endlich den ersten neuen Track seit seinem Megaerfolg Berlin Calling. Und er ist durchaus mutig mit seinem Versuch namens „Plätscher“ , holt sich ein No-Go an die Leine. Ironisch mit den Augen zwinkernd, paart er eingängig gewebten Techhouse mit kräftig wabbelnder Hammond-Orgel. Gelungen ist es ihm.

Dies gilt ebenso für den (noch) als Geheimtipp rangierenden Mr. Statik, der unter dem Titel „Sinphony“ ohrwurmige Crooner-Vocals mit House auseinander und somit die konventionelle Klangetikette bricht.

Doch tatsächlich wunderlich erscheint da „Deutsche Werden“. Die venezolanische Chanteuse Aérea Negrot verwirrt zunächst. Als ehemalige Sängerin von Hercules and Love Affair lässt sie ihre gebrochen deutschsprachigen Vokals auf ein eigentümliches aber stimmig arrangiertes Electro-Derivat prallen.

Nun, es wird immer bewusster, umso tiefer man gräbt. Die Label-Identität Bpitch´s definiert sich dieser Tage mehr und mehr durch Songstrukturen und eine hohe Präsenz an Vocal-Tracks; sie wird unverwechselbar.
Der Techhouse-Opener „The Present“ von Cormac
ebenso;  von Vokals getragen wie der wunderbar stimmungsvolle Synthpop-Song des italienischen Duos We Love.

Die „Werkschau“ ist auch eine generelle Absage an die starre Einhaltung genretypischer Grenzen und Beschränkungen: Dominique Dillon de Byington, kurz Dillon – eine zauberhafte junge Dame mit brasilianischen Wurzeln und vielbeachteter Neuzugang bei BPC – vereint in ihrer Liason mit dem gefeierten Kölner Kompakt-Act Coma rohen Beatbox-Elektro mit manisch wie auch poppig soundenden Vokals, Roheit und Pony absolut kongenial erschaffen.

Mit dem Werkschau-Beitrag „How We Move“ verknüpft Multiinstrumentalist TimTim
ein fast klassisch zu nennendes Singer-Songwriting mit bleepigen Electronica-Sounds.
Hier schließen sich die fein gewebten und sehr dubbigen Texturen der Genies von AGF/ Delay (Antye Greie/Vladislav Delay) fast nahtlos an. Nach deren 2009 erschienenen Album „Symptoms“ und AGF´s Produktionsarbeit für Ellen Allien´s Longplayer „Sool“ lotet das Duo nun neue Facetten futuristischer Popmusik aus.

Futuristisch und gleichzeitig retro, dabei ebenso eingängig wie auch fordernd, klingen Chicago´s Telefon Tel Aviv, die hier mit der ersten Veröffentlichung seit dem 2009 erschienenen Album „Immotate Yourself“ aufwarten. Umso fordernder, bisweilen sogar als höchst provokant, kennen und lieben wir Jahcoozi.
Mit „Day In Day Out“ zeigt sich das Trio um Songwriterin Sasha Perera erstaunlich zahm von ihrer cool-relaxed und dubbing klingenden Seite und offenbart eine weitere ausgeheckte Masche im neuen BPC-Kleid.

Selbstverständlich verweist die „Werkschau“ auch auf Technosound: Made in Berlin, mit dem das Label nach wie vor untrennbar verbunden ist.
Altmeister Sascha Funke breitet seine epischen Klangteppiche über typische Minimaltechno-Strukturen und nennt das ganze frei interpretierbar „Hiddensee“.

Thomas Muller – dank mehrerer erstklassiger EPs mittlerweile zum BPC-Resident avanciert – konstruiert mit „West“ ein Minimal-Uhrwerk, das tickt und tickt, tickt.

Und Chaim´s Chicago-inspirierter Techhouse-Track „The Country“ könnte ein viel versprechender  Vorgeschmack auf sein im Februar erscheinendes Album „Alive“ sein. Wer weiß, wer weiß…

Workaholic Mark Broom, seines Zeichens Hälfte des Londoner Partygespann Rue East und von Pure Plastik Records, liefert mit „Refund“ schlicht und einfach ein ballerndes Vollbrett – minimal in Struktur, maximal in Sound und Wirkung.

Ebenso perfekt in der Werkschau platziert, sind echte Jacks wie Zander VT mit ihrer House-Perle „Gotta Look Up To Get Down“ und Kiki & Lenz, die hier ihre erste Co-Op veröffentlichen.

Doch! Ging es nicht um die Memoiren der Label-Chefin persönlich? Ja. Sie sind es: Siebzehn Standpunkte  des Labels nach 12 Jahren. Ellen Allien setzt ihre Unterschrift darunter. Sie reiht sich mit classic House und einem süßen „Kiss“ ein in die Reihe dieses großartigen Werkes, dieser „Werkschau“.

Wir wissen es jetzt! BPitch ist so etwas, das ewig weiter rollt. Dort beginnend, wo es jetzt ist.


V.A. > WERKSCHAU > BPitch Control
RELEASE GER: 28.01.2011
RELEASE WORLD: 31.01.2011

CD / DIGITAL
1. Cormac – The Present
2. Ellen Allien – The Kiss
3. We Love – Harmony Of The Spheres
4. Dillon & Coma – Aiming For Destruction
5. AGF/Delay – Most Beautiful Kill
6. TimTim – How We Moove
7. Sascha Funke – Hiddensee
8. Kiki & Lenz – Morning Maniacs
9. Zander VT – Gotta Look Up To Get Down
10. Jahcoozi – Day In Day Out
11. Mr. Statik – Sinphony feat. The Boy
12. Aérea Negrot – Deutsche Werden
13. Thomas Muller – West
14. Chaim – The Country
15. Paul Kalkbrenner – Plätscher
16. Mark Broom – Refund
17. Telefon Tel Aviv – The Sky Is Black feat. Robin Guthrie

WinWinWin WinWinWin:

BPitch hat zum Release der Werkaschu, auch noch ein paar Goodies für alle Sympartysanten auf Tasche. Ihr habt jetzt die Möglichkeit Folgendes zu gewinnen:

3x Werkschau CD









3 x Werkschau EP 1 // 12″









2 x BPitch Slipmats







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