dOP— das Pariser Trio Clément, Dam und JAW – ist auf der Erfolgsschiene, seit es vor drei Jahren schlagartig die Szene eroberte und Tanzflächen mit ihrer seltsamen, sexy und ansteckenden Marke respektloser gefühlvoller elektronischer Tanzmusik aufwühlte und Autoren sich deswegen am Kopf kratzten.

Todd Burns vom Resident Advisor kam ihnen noch am nächsten, indem er ihnen zugestand, dass:

„sie versuchen, elektronische Tanzmusik mit Hörnern, Rosen und Wodka und einer Menge Gesang mit neuem Leben zu erfüllen.”

Das Album Greatest Hits ist in der Art und bietet noch mehr. Der Titel ist absichtlich irreführend: neben dem Eröffnungstitel, der von ihrer ersten Single aufgenommen wurde, enthält das Album nur neues Material, und es zeigt eine tiefere, noch abartigere dOP als man je zuvor gehört hat.


Die drei Musiker sind nicht gerade große Schausteller – ihre meistens gut angetrunkenen Live-Sets beweisen es – sondern echte Musiker:

bevor sie die elektronische Tanzmusik entdeckten, spielten sie Rock, Jazz, Hiphop, Reggae, klassische und afrikanische Musik, und ihr breites Wissen bringen sie nun in ihrem Versuch die Tanzmusik umzustülpen zum Ausdruck. Während das Album eine Menge aufreizendern Funk und Dirty Grind enthält, erkundet es wesentlich mehr verschiedene Stimmungen und Grooves, von heißem Jazz bis zu herbstlichem orchestralem Folk.

Die Fülle einiger Songs des Albums Greatest Hits sind Emmanuel d’Orlando zu verdanken, einem französischen Komponisten und Arrangeur, der für seine Arbeit am Theater, Soundtracks und Arbeit mit Künstlern wie Sebastian Tellier bekannt ist. Seine vom Mazedonischen Radiosymphonieorchester gespielten Arrangements verleihen dem Album oft das dunkle filmische Gefühl eines Sofia Coppola Film.

In ihrem Kellerstudio verwenden die drei Musiker wirklich jedes Instrument, das sie besitzen – Hörner, Pianino, chinesische Flöte, Harmonika, Melodika, Cajon, Gongs, Cuica, analoge Synthesizer, akustisches Schlagzeug — und viele ihrer Freunde, kamen vorbei, um etwas beizusteuern.

Der gefeierte Calypso-Drummer Andy Narell spielt die Steeldrums. Ihr Freund aus Kindertagen und früheres Bandmitglied Raphaël Gaiotti spielt Trompete; Damien Dassaradanayadou spielt die Streetarp, eine selbstgemachte Gitarre nach seinem eigenen Entwurf; Aquarius Caloni (Aquarius Heaven) lends guest vocals. Der Pariser Minimaltechno Produzent Seuil bedient bei einem Titel den Computer und Guillaume Coutu Dumont sitzt am Balafon. (Elemente der gleichen Session, die zu “Assurance Vie” wurde, tauchen in einer gänzlich anderen Form auf als Guillaumes eigenes Breaking the Fourth Wall.)

Innerhalb des Kerntrios herrscht eine lockere Arbeitsverteilung. Dam, am Saxophon und den Keyboards bringt einen Großteil der melodischen und harmonischen Dimensionen in die Musik ein; Clément kümmert sich um den rhythmischen Aspekt und handhabt auch die meisten Computerarrangements.

JAW ist hindessen die charakteristische Stimme von dOP.

Seine Liedtexte sind ein surrealistisches Sammelalbum von Sex, Tod, Drogen, Verzweiflung, Sex, Kannibalismus, Gott, Liebe, Städten und Sex; säuselnd und wehklagend kommt er daher wie Baudelaire auf dem Bug eines Piratenschiffs — ein Messer zwischen den Zähnen, eine Flasche in der Hand und eine hervortretende Plastiktüte mit Gott-weiß-was in seiner Brusttasche. Ein tragischer Dandy, ein liebenswerter Tramp, der sich selbst sein schlimmster Feind ist —JAWs leidenschaftliche Persönlichkeit ist die perfekte Kontrastfigur zu der tiefgründigen Musik der Gruppe.

Die 14 Titel des Albums reichen von ruheloser Ethnographie des “Worm Hunting” bis zum grüblerischen Piano-House von „No More Daddy.“ Es gibt akustischen Crunk („1 gr“), mitreißenden Swing Jazz („Talk Show“), einlullenden Blues („Happ Meal“), ein übelwohlendes Wiegenlied („Lacy Lad“), apokalyptischen Funk („Love Ride“). Es gibt geradlinigen, sehr gefühlvollen Tech-House mit akustischen Schnörkeln (“New York”, “3 Suitcases”). Und „Final Dive“ mit Orchester und AutoTune dürfte der herzbrecherischste Song sein, den ihr das ganze Jahr hören werden wollt.

Da dOPs ekzentrische House in Clubs gespielt werden sollte, — und Clubs könnten ruhig mehr Musik wie die von dOP bringen — wird das Album in drei einzelnen 12 Zoll Singles erscheinen, die von Remixes von Herbert, Âme und DJ Koze begleitet werden; es wird auch digital und auf CD herausgegeben, mit einem Cover von ihren Freunden Tom & Léo und Myqua, die von Anfang an mit der Band zusammengearbeitet haben.

Aber das ist definitiv nicht nur Clubmusik.

dOP’s Greatest Hits hat einen Fuß in der Panoramabar und den anderen in einem mit Brettern vernagelten Kabarett. Es ist die Nacht davor und der Kater danach; ein Liebesbrief voller Tränen und eine sexuelle Avance per SMS. Mehr als alles andere ist es Schnappschuss der schwindelerregendsten Jahre der Leben dieser talentierten Schurken, geschmückt mit Hörnern, Rosen, Wodka und einer ganzen Menge Soul.

artist:    dOP
title:      Greatest Hits
label:    Circus Company, FR. (Distributed by Word & Sound, DE.)
date:    04.10.10








17.09.2010 : dOP live @ Culture Box, Copenhagen, DK
18.09.2010 : dOP live @ Efir Club, St. Petersburg, RUS
25.09.2010 : dOP live @ Le Name Festival, Rennes, FRA
26.09.2010 : dOP live @ Blu Club, Ibiza, ES
01.10.2010 : dOP live @ Watergate, Berlin, GER
02.10.2010 : dOP live @ Arma17, Moscow, RUS
09.10.2010 : dOP live @ Fuse, Brussls, BE
15.10.2010 : dOP live @ Twaddle, Leeds, UK
16.10.2010 : dOP live @ Fabric, London, UK
23.10.2010 : dOP live @ Rex Club, Paris, FRA
29.10.2010 : dOP live @ Mossstube, St. Gallen, CH
29.10.2010 : dOP live @ Puerto Giesing, Munich, GER
30.10.2010 : dOP live @ Dokumenta Halle, Kassel, GER
31.10.2010 : dOP live @ Loft, Neuss, GER
06.11.2010 : dOP live @ Club II Club Festival, Turino, ITA
12.11.2010 : dOP live @ Raum, Barcelone, ES
13.11.2010 : dOP live @ Uebel & Gefaehrlich, Hamburg, GER
20.11.2010 : dOP live @ Rashomon, Rome, ITA

15.12.2010: dOP live @ Rave on Snow, Austria

6 Responses

  1. Guy Gerber > Heartbeats > Ryan Crosson, Puffy, Puff Daddy, Sean John, Supplement Facts, VA, Till Von Sein, tel aviv, P Diddy, Michel Cleis, dOP, DJ, Diddy, Guy Gerber, Heartbeats, Madrid, Lee Curtiss, Israel, Compilation, Techno > PARTYSAN. Musik

    […] dOP wie immer französich strange, Crosson & Guti leicht desolat ibizenkisch verspult, Cleis packt mal wieder die Congas aus ohne dass es peinlich wird, von Sein mit einem Klasse Uralt Sample (von wem war das eigentlich Ursprünglich?) und Gerber gibt mit ‘Nothing Can Be True’ eine weitere Preview seiner Session mit Diddy. Alles wirklich feine Mucke, die es durchaus auch verdient hätte als Mix zu erscheinen. […]

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