Das neueste Release von Stuttgarter Label Parquet kommt wieder aus Frankreich und zwar aus Lille oben im Norden an der belgischen Grenze. Neben dem Freundschaftsding bringt das Release der beiden Franzosen offensichtlich noch Detroit mit ins Spiel und spielt obendrein noch mit Begrifflichkeiten.

Maverickz und Clawz SG bringen mit Obvious und Abyss zwei melodisch technoide Tracks in unsere Recordbox, bei denen zeitweilig unendliche Melancholie mitschwingt. Obvious stellt von vornherein klar, dass es um nichts anderes als Techno geht: Eine dicke warme treibende Kick wird leise im Hintergrund von hellen Synths und zartem Schnackeln umhüllt. Ganz klassisch gesellen sich langsam weitere vertraute Sounds in die Runde und klappern, zischen, schnalzen und rascheln jedes für sich einen eigenen Groove. Die wabernden warmen leicht blubbernden und immer wieder verzerrten dunkleren Synths bestimmen die Melodie und setzen dem ganzen die Sahnehaube auf. Offensichtlich Techno. Offensichtlich Detroit Style. Offensichtlich nix wirklich neues aber ganz klar meisterhaft inszeniert.

Normalerweise ist die längst hinfällig gewordene A-Seite ja das Sahnestück aber Abyss setzt ganz klar einen oben drauf: Zum warmen treibenden Beat gibt’s ne Portion Percussions und Glöckchen bimmeln fröhlich zur warmen weichen analogen Melodie der Kirchenorgeln. Was anfangs nur leicht melancholisch anmutet, entwickelt sich zielsicher zu einem monumentalen heroischen Höhepunkt: Mit erhobenen Armen auf Felsenklippen dem Abgrund nahe. Doch es geht weiter, immer weiter und zum Schluss gibt’s dann noch ein dickes Bimbam der Kirchturmglocken, wobei sie sich für mich eher lebendig als endlich anfühlen. Abyss bedeutet auch Unendlichkeit, im gleichnamigen Film wird ebenfalls mit der Bedeutung gespielt – der tiefe Abgrund des Meeres offenbart auch die Abgründe der Seele aber auch die Unendlichkeit des Seins. Oder so ähnlich, jedenfalls sehe ich mich in den Tiefen des Meeres vor den unglaublich schönen fluoreszierenden Wesen, die auf eine ganz besondere Weise die Unendlichkeit des Seele und damit des Seins verkörpern. Wahnsinn!

Offensichtlich scheint es wohl eine besondere Verbindung zwischen Lille und Detroit zu geben. Terence Fixmer kommt aus Lille, von Maverickz kennt man zwar vorallem die Melodic Techno Richtung und hier und da spürte man schon etwas melancholischere Züge. Sein Debüt bei Parquet gemeinsam mit John Sparks, ebenfalls aus Lille, hatte mit Sinners schon klare Tendenzen in die jetzige Richtung. Sein aktueller Release Partner Clawz SG ist offenbar ein Newcomer, zumindest findet man unter diesem Namen in unseren musikalischen Gefilden nichts. Wie man das offensichtliche Pseudonym ausspricht oder für was es steht, weiss man nicht, ebenso wenig ob man ihm schon anderweitig begegnet ist. Was man weiss: Er kommt aus Lille in Frankreich, liebt elektronische Musik, vor allem die aus Deutschland. Offensichtlich Techno aus der Berlin-Detroit Connection. Was für ein Debüt!

Last but not least weiss man: Obvious & Abyss gibt’s seit 30.06.2014 exklusiv bei Beatport und ab 14.07.2014 weltweit in allen Shops. Wie war das nochmal? Liberté, Égalité, Fraternité ou la mort…225 Jahre sind eine halbe Ewigkeit, heroischer Höhepunkt, die Guillotine…Schluss damit, jetzt wird gefeiert und zwar definitiv bis zum bitteren Ende:

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