Martin Buttrich Crash Test Album im Studio

Ob man es auf der Autobahn, beim Cruisen oder im Sommer auf einem Festival über riesige Anlagen hört, eins ist sicher: „Crash Test“ wird Vorurteile zerstören.

Das Album ist eine Zusammenstellung von Tracks, die aus den vielen Stücken, die während der letzten 15 Monate in Hannover und an vielen anderen Orten dieser Welt entstanden sind, ausgewählt wurden. Jedes Stück bekundet die musikalische Einstellung dieses Grammy-nominierten Künstlers sowie seine Fähigkeit, mit Maschinen in Dialog zu treten in die Tiefen eines Songs einzutauchen. Buttrich hat in den letzten Jahren einen Sound entwickelt, der beide Seiten des Gehirns erfreut: seine Veröffentichungen umfassen des gesamte Spektrum von Verträumtheit über Intuition, Wärme und Melancholie bis hin zur höchst kalibrierter Dancefloor-Präzision. Nebenbei umfasst seine Discographie einige der einflussreichsten Dance-Tracks, die seit 1992 um den Globus gewandelt sind.

„Crash Test” ist ein Album, das man von Anfang bis Ende hören kann, eine organische Sequenz sich verlagernder Stimmungen, die bekannte Minimal- House und Techno-Paradigmen sublimieren. Es ist mit einem wuchtigen Bass schattiert; eine reflexive, sich windende Neuinterpretation der Grooves, die Buttrich schon immer inspiriert haben. Das Echo von Jazz, Hip Hop, Reggae und Soul. Die gefühlsgeladenen Tangenten schweben durchstochen von in öffentlichen Räumen aufgenommenen Klängen und musikalischen Texturen.

Martin Buttrich ist im Umgang mit einem Mischpult genauso gewandt wie mit einem virtuellen Schlagzeug. Diese technischen Fähigkeiten, gepaart mit einer Begeisterung für Musik jedweder Art, münden in herausragenden Veröffentlichungen auf einflussreichen Labels wie Planet E, Four:Twenty, Cocoon, Poker Flat, Nervous und Desolat. Er hat seinen akustischen Fingerabdruck bereits auf Stücken von vielen namhaften Künstlern gelassen: ein Tori Amos Remix war 2003 Grammy-nomiert, und ein Remix für Tracey Thorn erntete neulich Anerkennung.

So breite musikalische Horizonte sind selten. Während andere produktive Künstler ihre Musik mit der Zeit verwässern, verhält es sich bei Buttrich genau entgegengesetzt: seine Vision kristallisiert und verdichtet sich. Mit Grooves live spielen ist für ihn ein Leichtes, und er hat die Mengen bereits auf Festivals wie der Time Warp und Creamfields, sowie in Schalltempeln wie Fabric (London), Womb (Tokyo), Cocoon (Frankfurt), Panorama Bar (Berlin) und Amnesia (Ibiza) begeistert.

Wenn die Leute sagen „Buttrichs Musik hört sich ziemlich abgefahren an“, reden sie nicht nur von den ansteckenden Kompositionen seiner Tracks oder der Art, wie er Beats zu einem komplexen Teppich verweben kann. Sein Geschick mit dem akustischen Skalpell – die esoterische Fähigkeit, das Spektrum der hörbaren (und nicht-hörbaren) Frequenzen zu durchsegeln – haben ihm unter Tontechnikern ein hohes Ansehen verliehen. Eine unglaubliche Arbeitsmoral gepaart mit einer flexiblen, neugierigen und heiteren Herangehensweise, machet ihn so außerordentlich gut in dem, was er tut.

Eine im Jahr 2002 beginnende Zusammenarbeit mit Loco Dice inspirierte Buttrich, noch tiefer in die musikalischen Geschichten der frühen Morgenstunden einzutauchen. In einem sehr kurzen Zeitraum schufen sie eine anspruchsvolle Diskographie und die Klangästhetik, die eine Zeit prägte. Sie verbrachten 2006/2007 mehr als ein halbes Jahr in einem klapprigen Loft in Brooklyn mit einem Ausblick über Manhattan, in dem sie ihr Studio einrichteten. Zwischen nächtlichen Produktionssitzungen und Schneestürmen entstand Desolat, das Label von Loco Dice und Martin Buttrich.

Hallo Martin, wir erreichen Dich gerade in Los Angeles, nicht gerade bekannt als das Mekka der elektronischen Musik. Ist LA bewusst gewählt?
Ja durchaus, es ist eine Inspirierende Stadt und es tut auch mal gut, Abstand von der gewohnten Umgebung zu haben. Da ich mit dem Album fertig war und ich einige Gigs in Nord und Süd America hatte, hat es sich angeboten hier den Winter zu verbringen, um mir endlose Reisezeit im Flieger und den kalten Winter in Deutschland zu ersparen. Die Zeit hier in Los Angeles nutze ich auch um mich auf meine Live Tour vorzubereiten.

Lass uns etwas über „Crash Test” sprechen. Das Album, an dem Du die letzten 15 Monate gearbeitet hast. Was hast Du in dieser Zeit gemacht?
Ich habe natürlich viel an meiner Musik gearbeitet, einige Remixe gemacht viele Auftritte gehabt. Ausserdem habe ich mich mit meinem Partner Loco Dice um unser Label Desolat gekümmert. Und an dem Album habe ich dann die letzten 4 Monate wirklich intensiv gearbeitet.

Also hast Du an diesem Album über Monate hinweg gearbeitet. Findest Du, dass man das Album auch als Ganzes anhören sollte?
Ja, es ist schließlich ein Album und keine Dance 12″. Ich habe während der Zeit sehr viele „klassische” Alben gehört – Jazz, Soul, Hip Hop – und erinnerte mich daran, wie toll es ist, ein Album von Anfang bis Ende zu hören, wie ein Album dich einfach packen und beschäftigen kann. Ich hoffe, dass „Crash Test” das auch schafft.

Du hast erwähnt, dass auf diesem Album viele akustische Instrumente zu hörensind. Hast Du selbst Erfahrung mit solchen Instrumenten?
Ich habe einige Stunden Klavierunterricht gehabt und ich kann Harmonien heraus hören und erkennen. Das ist es dann auch schon. Mein Ziel ist es aber, das Best mögliche Interview aus einem Song herauszuholen und wenn ich mal nicht weiter komme und z.B. einen Klavierspieler brauche, weiss ich, wie er spielen soll und wo ich ihn finden kann.

Vielleicht kannst du ein paar Worte zum Titel des Albums sagen, und was er Dir bedeutet?
„Crash Test”
bedeutet in diesem Sinne nicht das Crash-Testing von Autos, oder das Einwirken auf Sachen und Schauen, wann sie kaputt gehen. Es ist eine Musiksammlung, persönliche Musik die in einer Umgebung aufgenommen wurde, in der ich mich wohl fühle. Diese Musik heraus zu lassen, ohne Kollaborateure oder Partner, ist eine Art Crash Test für mich – ein Test, ob die Musik der Zeit und der „Realität” standhält…

Du hast im letzten Jahr viel getourt. Gibt es einen Plan, wie das neue Album live umgesetzt wird?
Klar! Es wird eine verlängerte World Tour geben, auf der ich auch mein Set-Up ändern werde, da die Musik auf jeden Fall einige Veränderungen erfordert. Es gibt auch Ideen zu einigen komplexeren Arrangements und Live Gigs, mit mehr Musikern auf der Bühne. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr so etwas auf die Beine stellen können.

Wie viel Einfluss hatte auf Dich die Stadt, in der Du lebst?
Sicherlich ist Hannover nicht der Schmelztiegel der elektronischen Musik. Aber es ist meine Heimatstadt und ein guter Ort, um kreativ und ganz besonders um Produktiv zu sein. Ich weiß nicht genau, ob man einen Einfluss direkt aufzeigen kann, aber Hannover spielt auf jeden Fall eine große Rolle innerhalb vieler anderer Einflüsse.

Warum hast du Dir genau diese Zeit ausgesucht, um eine Debut Solo LP rauszubringen?
Instinkt….

Interview by PARTYSAN Nordrhein Westfalen erschienen im PARTYSAN NRW Ausgabe 03/2010

2010.03.10_Buttrich_Album_CoverMartin Buttrich – Crash Test
Martin Buttrich veröffentlich sein Debutalbum “Crash Test” auf dem Erfolgslabel Desolat, das er gemeinsam mit Loco Dice betreibt.

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