Barbara Panther ist die Zukunft. Und jene, die sie nicht kennen, fragen zu Recht: Warum? Nun, nicht alle, die unter die Fittichgriffel legendärer Produzenten kommen, gelangen zu Weltruhm.


Auch wenn jener Fittichergreifer ein geniales Musikverständnis mitbrächte für die Projekte derer, die die Fittiche besitzen, welche es zu stützen gilt.

Jedoch einem solchen Musikgenie erst einmal aufzufallen, so dass einem unter die Fittiche gegriffen wird, wirft immerhin die Frage auf, ob Fittichträger nicht ein virtuoser Künstler ist.

Womit wir zur Frage kommen: Ist Barbara Panther eine Virtuosin?
Gute Frage!

Nun, erst einmal Fittichgreifer und der geniale Musikproduzent mit Verständnis ist derjenige, der tatsächlich Björks „Vespertine“ erschuff und R.E.M. neu kreierte, als er sie remixte. Er produzierte die Debüts von Róisín Murphy und The Invisibles. Der Mann ist selbst bekannt als Radio Boy and Doctor Rockit, dessen Alben jedem elektronischen Musiknerd wert sind, sie in einem Schrein zu vergöttern. Man kennt den Doctor auch als Best Boy Electric, Mr. Vertigo, Mumblin‘ Jim, Slojak oder Wishmountain. Sein bürgerlicher Name lautet anders.

Unter ihm mischte er sich tatkräftig ein in Panthers Debütalbum.
Dieses beginnt wie ein Urknall:

Die virtuose Beatbox, die anfangs in „Rise Up“ zu Panthers Stimme in kleinen abgeschnittenen Soundwürfeln wütet, fixt einen tatsächlich gleich so unheimlich an, dass man das Vakuum an gefühllosen Electronica-Projekten der letzten zehn Jahre mit diesem kurzen Moment beglichen, vergolten und wiedergutgemacht meint.

Sofort, nachdem der zweite oder dritte Ton sich in uns nieder legt, begreift man ohne Zweifel, dass ein Genie, nur wie Matthew Herbert es sein kann, an dem mitwirkte, was Panther zur Sängerin des Jahres krönt.

Der darauf folgende Track „Moonlight“ verzaubert mit naiv verspielter Melodie wieder zu einem ballspielenden Kleinkind und eine Love versprühende Panther, deren düster schiefe Soul-Avantgarde-Kehle magisch wirkt, haucht, so scheint es, dem Beat seine Seele ein.

Nun sind diese nur zwei der zehn Meisterwerke auf ihrem Album.
Es bedarf einer Analyse dessen, um nicht außer acht zu lassen, woher diese Muse rührt. Denn die Herbert-Panther´sche Methode von Stimme und Sound birgt auch eine Thematik.

Babara Panther, die sich selbst gerne zu einem karg anmutenden B.P. abkürzt, vereinfacht Glauben und Geist, eine selbst erarbeitete Spiritualität und ihre afrikanische Herkunft in sich zu einem Produkt:

„Euer Reich zerfällt. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Natur regiert!“


So wirkt der Text von „Empire“, ihrer Single des letzten Jahres, die dem Album vorausging und uns auffiel wie etwas mit dem Wind gewittertes Neues, mitunter eindrucksvoll, direkt und radikal jedoch auf den zweiten Blick auch kontrovers und verstörend. Verschmelzen diese Worte doch im gleichen Moment, in dem sie zischen, mit elektronischer Musik aus unserer hochtechnologisierten Welt, die ohne, alles mit Strom durchblutende, uns dominierende Transistoren weder analog noch digital existierte.

Die gebürtige Ruanderin, in Belgien aufgewachsen und nun in Berlin, dem Ort ihres zukünftigen Schaffens und Lebens, sesshaft geworden, weiß der Diskrepanz zwischen natürlichen und künstlichen Elementen der Natur und erweitert einmal mehr den Stereotyp.

„Man kann die Existenz von Technologie nicht einfach abstreiten. Sie entwickelt sich sehr schnell und ist eine Form von Kommunikation. Ich mag Technologie. Aber das bedeutet nicht, dass sie unbedingt Gegenstand der Botschaft sein muss.“

Sie weiß zu unterscheiden. Was das Wasser trägt, trennt ein kluger Geist von dem, worauf ein Boot treibt, so der alte Spruch eines Medizinmannes. Wir selbst halten inne, versuchen mehr Projektion von dieser virtuosen Frau zu gewinnen –                                                                                                                              
Die naturbesessene Afrikanerin gesteht:

„Jetzt fange ich an, mich schuldig zu fühlen, weil ich sie benutzt habe!“

Wir verstehen das ebenso, wie sie es tut: Uns alle selbst als schuldig, kommt man doch nicht aus ohne Technologie geschweige denn davon vor Elektronischem.

Panther glaube, „… beides kann zusammen funktionieren.
Dass die Natur übernimmt, ist einfach eine Tatsache.
Aber die Technologie tut es auch.
Es ist ein Hinundher.
Wie bei einer Batterie – Plus und Minus.“

So deutet sich auch die Stimme Panthers an: Ein Auf und Ab, ein Davon und Hinein ins Melodiöse aber nur gewollt hin zum schiefen Ton, als sei ihre Kehle eine eigene, wirkliche Welt, die der, sie begleitenden, Musik nur manchmal gestattet neben ihr zu klingen. Aber Barbara Panther ist nicht nur eine Stimme. Alle Beats sind ihre, die eigenen Werke. Das Album trägt keinen Namen, heißt schlicht und einfach wie sie selbst. Zu Recht! Sie selbst komponierte diesen Sound. Ein paradigmatischer Künstler in jungen Schuhen, die noch weit hinauf steigen werden.

Alle sagen es so.
Nun.

Hier wird wohl bald eine „New Björk“ durch unsere Ignoranz brechen, die als eigenständige Marke mit dem Talent Dissonanz – wie wir sie sonst von Dreijer Andersson zu hören gewohnt waren – vermag, gegen die Melodie der eigenen Tracks zu singen.

Auch wenn es nach ihrem Label, City Slang, ginge, das ein Vergleichen von Barbara Panther mit 80er-Ikone Grace Jones oder der berühmten Virtuosin der isländischen Vulkaninsel nicht gerne sehen will, es beinahe wie Unfähigkeit uninspirierter und schreibblockierter Musikjournalisten erscheinen mag, sie überhaupt an denen zu messen, bestreiten kann dies niemand, der ehrlich zur Wahrheit sein will: Sie ist die Neue.

Wir danken City Slang für dieses Update an Stilistik im 21ten Jahrhundert.


Barbara Panther
s/t
City Slang
CD








1.Rise Up       
2.Moonlight People
3.Unchained             
4.Voodoo             
5.Wizzard             
6.Empire             
7.A Last Dance             
8.Oh Captain             
9.Dizzy             
10.Ride To The Source

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