„My name is Beuys von Telekraft, and I am a scientist, I work in my laboratory night and day, I am Beuys von Telekraft, and I do research in digital sound and rhythm …“

Herzlich willkommen in seiner Welt! Auch im Jahr Fünf nach der Gründung von Datapunk ist Anthony Rother stets ein Garant für Überraschungen. Erst recht, wenn auf dem neuen Telekraft-Label ein bislang unbekannter Wissenschaftler aus dem erdnahen Orbit für den Debütrelease sorgt, dessen Name seltsame Assoziationen zwischen Mechatronik und Kunstwelt zulässt und der auch Anthony Rother auf fast unheimliche Art wie aus dem Gesicht geschnitten zu sein scheint, wenn man dem Cover-Artwork Glauben schenken darf … ;-)))

Spaß beiseite: Mit seinem aktuellen Album setzt Anthony Rother nach seinen gefeierten Longplayern „Popkiller (Datapunk)“ und „Super Space Model (Datapunk)“ nicht nur in der programmatischen Ansage von „My Name Is Telekraft“ voll auf die Digitalität der Klänge.

„Gerade in den letzten Jahren war die musikästhetische Wahrnehmung zwischen MP3, Handyklingeltönen und moderner Telekommunikation auf einen extrem reduzierten und komprimierten Code beschränkt. Beuys von Telekraft macht sich diese Entwicklung zu Eigen. Mein Ziel war es, die schlechte Qualität der komprimierten Klänge, reduzierte Frequenzbereiche, verkürzte Samplingraten und strikt digitale Sounds als autarkes Stilmittel einzusetzen und trotzdem fette Clubmusik zu produzieren, die alles andere als Lo-Fi klingt.“ (Rother, 2008)

„Ich hatte bereits in der Vergangenheit digitale Klangerzeugung in meiner Musik gleichberechtigt neben analogen Instrumenten eingesetzt. Aber momentan beschränke ich mich schon fast dogmatisch auf digitale Klänge und möchte aus dieser selbst auferlegten Reduktion dennoch das Maximale an energetischen Sounds schöpfen.“

Dass die britische DJ-Legende Dave Clarke schon jetzt den opening Track der My Name Is Beuys von Telekraft auf Platz eins seiner aktuellen Charts hebt, zeigt mehr als alles andere, welcher klangliche Impakt von Rothers neuem Meisterwerk ausgehen sollte. Inhaltlich stehen die sowohl in englisch als auch in deutsch vorgetragenen Texte von „My Name Is Telekraft“, „Welcome To My Laboratory“ oder „Girl Construction“ in der Tradition des Menschmaschine-Diskurses, der Rother bereits bei seinen Psi49net-Alben „Simulationszeitalter“, „Little Computer People“ oder „Hacker“ Anfang des Jahrtausends faszinierte.

Neu ist hingegen, bei dieser Referenz an die besten Zeiten der Science Fiction, der gewisse Hang zum überzeichnenden Augenzwinkern. „Ich wollte schließlich mit My Name Is Beuys von Telekraft keine Gesellschaftskritik äußern.“ Dies gilt umso mehr für „Liquid System“, dessen über komplette 16 Takte gehende modulierte Synthie-Hookline in ihrer Unberechenbarkeit ständig in Bewegung bleibt und sich damit unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis der Tanzfläche brennen wird.

Und als wenn das noch nicht genug wäre, spendiert Rother mit den zehn Tracks der Bonus-CD „Geomatrix“ noch ein musikalisches Experiment der Extraklasse, „sozusagen eine düstere Filmepisode der Klangexperimente von Beuys von Telekraft“. Komplett ohne Beats und trotzdem mit der für Rother so typischen Ästhetik des energiegeladenen Geräusches entwirft er eine zukunftsorientierte Form modernen Ambients ohne jedweden Lounge-Kuschelfaktor.

Fokussiert und radikal gleichermaßen schafft die „Geomatrix“ eine zutiefst beeindruckende atmosphärische Vision der urbanen Schattenseiten. Wie heißt es schließlich in „64 Bit Audio“ so schön: Das System übersetzt Realität in Frequenzen.

ANTHONY ROTHER
MY NAME IS BEUYS VON TELEKRAFT
TELEKRAFT RECORDINGS

Interview mit Anthny Rother zu Beuys von Telekraft

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